Montag, 24. Oktober 2011

Vertrauen ist gut, noch mehr Vertrauen ist besser!

Hallo!

Gleich zu Anfang ein faux pas: Gibt heut leider keine neuen Bilder! :D Bis auf ein Foto unseres majestätischen Abendessens (das gerade damit zu Ende geht, dass wir fett und faul im Wohnzimmer sitzen und einer von den zwei Helden sich der Herausforderung stellt, einen halbwegs sinnvollen Blogeintrag zu verfassen)
gibt es bedauerndwerter Weise kein eindrucksvolles visuelles Update..
Auch gebe ich ohne rot zu werden zu, dass ich am Wochenende weder Zeit noch Lust hatte zu bloggen – Jetzt hingegen „hab' ich total Bock“ :D

Ne im Ernst, das Wochenende war relativ anstrengend: 100 Jeunes + 12 Accompagnateurs
auf Disneyland-Ausflug! Obwohl ich eigentlich kein großer Funparkfan bin, habe ich keine Attrakation ausgelassen und auch alles ohne traumatische Erlebnisse überstanden. Zwischendurch haben dafür aber die mir zugeteilten Jugendlichen extrem schlechte Ausreden erfinden müssen, um vor ihren Kumpels ohne Gesichtsverlust erklären zu können, wieso die ein oder andere Achterbahn nichts für sie wäre.. Witzig für mich war auch, dass ihnen ausser Aladin keine einzige Disneyfigur oder -story bekannt war und manchmal voller Begeisterung an Orten Fotos gemacht und angestanden wurde, wo sonst nur Kleinkinder zu finden waren. Ausserdem schwankte ich innerlich andauernd zwischen Abscheu vor dem geschmacklosen Rosa-Konsumimperium (ein Überraschungsei für 5 Euro war ein ernstgemeinter Preis), und meiner Freude über die Begeisterung der Jugendlichen, die wirklich von der ersten Minute an vollends entfacht war.
Und das bei 5 Grad Minus. Gefühlt -500. Nichts für südliche Typen also!;)
Wie dem auch sei, nach 12 Stunden Disney dröhnte mir am Ende echt der Kopf und alle die länger als einen Tag in der blinkenden Trallalala-Landschaft aushalten, können sich bei mir ein Überraschungsei abholen.
Leider wurde ich beim abendlichen Bad dann von zwei Educs gestört, weil scheinbar ein Rohrbruch in meinem Badezimmer die gesamte Wand des Gebäudes durchnässt hatte und die Mauer des Fernsehzimmers im Erdgeschoss gerade zerbröckeln ließ, was selbst den begeistertsten Fußballfans dann auch irgendwann auffiel. Dass ich also am Wochenende nicht mehr gebloggt habe, verzeiht mir bitte! :)

Heute hat unser Hausmeister aber gemeint das einzige Problem sei gewesen, dass ich meine Wanne habe zu voll laufen lassen. Ich hoffe er hat recht...aber manchmal weiß selbst ich da nicht genau wie ich mit der französischen Mentalität umgehen soll...Konkret: duschen oder nicht duschen? :D
Aber umso besser, dass ich da auf Bush, den alte Fuchs und Friedensnobelpreisträger zurückgreifen kann, der schon einmal erklärt hat, wieso die Franzosen auf der Welt nicht verstanden werden:
“Das Problem mit den Franzosen ist, dass sie kein Wort für entrepreneur haben.”

→ duschen! :D

Sonntag war dann mein „deutscher Tag“: Erst habe ich mich mit einem etwas jüngeren Freund aus Deutschland getroffen, der auf Durchreise war und nach einem Schüleraustausch auch einige gute Geschichten (die Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland betreffend) auf Lager hatte.
Danach verbrachte ich den Rest des Tages mit einer befreundeten Familie aus meiner Heimatmetropole Hilden und konnte viel Energie für die kommende Woche tanken.
Danke nochmal für die Mitbringsel und dafür, dass mir vielleicht unbewusst das Gefühl gegeben wurde, ein echter Einheimischer zu sein!

Was die Arbeit im MJR angeht, bin ich endlich ein eingearbeiteter Mitarbeiter, der die Arbeit auch vorantreibt anstatt sie durch Fragerei aufzuhalten. Ich weiß wer wo was wann wie macht und kann bei Fragen stolz Auskunft geben und weiterhelfen. Am Telefon habe ich mittlerweile eine halbwegs flüssige Begrüßungsfloskel drauf – die meisten Anrufe die ich entgegen nehme (was ich überhaupt nur tue, wenn meine Chefin nicht da ist) kommen aber von der Accueilfrau, die eben diese Floskeln nur testen will.
Aber wir arbeiten auch.
Zu ein, zwei Jugendlichen habe ich mittlerweile sogar eine etwas „besondere Beziehung“ aufgebaut; Soll heißen, ich bin einer ihrer wenigen Ansprechpartner, denen wenig verheimlicht wird. Natürlich geht mit dieser schönen Entwicklung eine Verantwortnug Hand in Hand, die ich lieber noch mit notamment einem bestimmten Mitarbeiter teile. (Dem Rennpiloten aus Toulouse;))

Auch mein Mitbewohner entwickelt sich super obwohl ich ihn selten gieße:
Erstmals fallen sogar Unterschiede in der WG-Philosophie auf! Aber vernünftig und rücksichtsvoll wie wir sind, bewegt sich das alles weit weg von Problemen oder gar Streit. Es kommt viel eher zu Loriot-ähnlichen Szenen, die wir dann mit breitem Grinsen und Marius Super-Satz „Meine Frau wird auf jeden Fall cool“ zu den Akten legen. A propos, was Mädchen angeht sind wir genauso selten einer Meinung wie bei der emotionalen Verfassung nach gutem Alkoholkonsum. Aber in einer Welt der Dualität ist das alles eigentlich auch nichts besonderes. Und eines muss man dem werthen Herrn lassen: Wie sich rausstellte ist er ein super „Buchempfehler“! :)

Morgen geht es für mich mit 25 Jeunes und einer anderen Lehrerin aus dem MJR in einen großen Zirkus, und ich bin gespannt was die Jugendlichen dazu sagen. Aber auch ich war schon so lange nicht mehr im Zirkus, dass ich eine gewisse egoistische Vorfreude verspüre.

Jetzt muss ich aber Schluss machen sonst lässt mein Wecker sich morgen scheiden – All good and from the best the best my dearest friends und gute Nacht!


Der Schein trügt, es war vorzüglich!


Samstag, 15. Oktober 2011

Ich fang direkt an, Titel und Einleitung sind was für Heuchler:

Marius und ich haben uns diese Woche ernsthafter über unsere Rolle und die Arbeit bei France Terre D'Asile unterhalten, und es fällt uns (oder zumindest mir) echt schwer, eine klare Richtung einzuschlagen von der ich glaube, dass sie die einzig richtige oder wenigstens „die richtigste“ ist.

Denn natürlich kommt es auch vor, dass wir selbst in unserer eigenen Enttäuschung über Undankbarkeit nach großen Bemühungen oder bei körperlichen Bedrohungen seitens der Jugendlichen, auch auf diese wütend sind – Dass die Jeunes andere Verhaltensmuster kennengelernt haben und gerade Gewaltanwendung (auch gegen sich selbst) ihnen erstens ihr Leben lang vorgelebt wurde, und zweitens offensichtlich eigentlich nur der Ausdruck von einem Gefühl riesiger Hilf- bzw. Machtlosigkeit ist, ist Abends in aller Gemütlichkeit leicht nachzuvollziehen. Wenn man aber gerade den Ausflug zum Fussballspielen oder ins Kino starten will (übliche Stressfaktoren wie tausend Veränderungen der Anwesenheits-und Mitgliederlisten, die Frage nach dem ausfallenden Mittagessen, die festzuhaltene Verteilung der Metrotickets, und die schon einstündige Verspätung sind natürlich immer vorhanden), und ein Jugendlicher redet von „casse-tete, casse-tete“ falls er kein ticket-restau bekäme, ist es mit der eigenen Ruhe auch schnell vorbei.

kurze Schleichwerbung, danke luki ;)
Wann wir den Jugendlichen Grenzen aufzeigen sollten, wann wir ein Auge zudrücken oder sie in Schutz nehmen sollten (und gegenüber wem?) sind in der plötzlichen Praxis total komplexe Fragen..
Und keinesfalls leichter macht es mir da die fließende Grenze zwischen Verantwortung als Mitarbeiter und Solidarität als „Kumpel“ der Jeunes, gerade die Autorität betreffend:
Denn wenn ich mich dann mal für das so schön klingende „Grenze aufzeigen“ entscheide - Wie mache ich das genau? Vor allem wenn ich nicht viel älter und körperlich sowie zahlenmäßig klar unterlegen bin, dann noch schlechter Französisch spreche als die meisten der Flüchtlinge, und diese einen Sch.. auf meine Rolle als Responsable geben.
Ich finde es also schwer, da hundertprozentig richtige Verhaltens-Vorgaben zu finden, die ich als Zielsetzung immer anpeilen könnte. Vielleicht gibt es das in diesem „Beruf“ aber in der Art auch gar nicht, weil jede Situation sich von der anderen mindestens um einige Nuancen unterscheidet.
Was mir aber eigentlich im Moment bewusster wird, ist, dass es auf keinen Fall ein „Schwarz-weiß-Malen“ gibt. Kein „Das sind die Guten, das sind die Bösen“.
Nur müsste man glaube ich die Ruhe Buddhas besitzen, um jedem Beteiligten (ob Educ, Jeune, Polizist, Animateur, Bahnangestellten etc etc.) gegenüber wirklich immer "nachsichtig" und verständnisvoll zu handeln..
Das soll aber nicht im Geringsten heißen, dass ich mich jeden Abend total verloren und verzweifelt weinend ins Bett werfe; ich bin vielmehr froh darüber, mir solche Gedanken machen zu können und mein persönlichstes Erleben dieser Arbeit zu reflektieren (und auch dafür ist es gut, einen deutsch sprechenden Mitbewohner zu haben). Außerdem gibt es auch sehr oft die super Cliché-Momente, in denen man das gegenteilige Gefühl bekommt, bei einzelnen Jugendlichen wirklich etwas zu bewegen. So sitze ich zB. manchmal nach dem Essen noch in der Kantine und nehme an kleinen Diskussionen (sprachlich durchzogen von englisch, französisch, urdu, pashto, arabisch und deutsch) teil, die dadurch entstehen, dass ein Jugendlicher ein lesbisches Paar gesehen hat, und bestenfalls damit enden, dass Worte wie „Demokratie“ und „Toleranz“ etwas mehr Gestalt bekommen. Auch wenn das lange nicht heißt, dass Homosexuelle für jeden der Jeunes danach etwas ganz Normales sind.
..„bon, bah, bref:“ Besser als mit „spannend“ kann man mein Jahr glaube ich kaum beschreiben! :D

So etwa war letzte Woche auch freizeitlich viel los:
Laura aus dem FFD-Projekt in Montpellier ist uns besuchen gekommen und wir konnten das Privileg eines bis zur Seine getragenen Sofas auskosten. Pluspunkt für die Police, die uns gewähren ließ! (und Danke für die Musik an dieser Stelle Mademoiselle demengmateng)


Außerdem hatte mein pausenlos engagierter Mitbewohner Karten für das EM-Qualifikationsspiel Frankreich-Bosnien klar gemacht, und wir haben also im legendären Stade de France miterlebt wie Frankreich sich (mehr schlecht als recht) qualifizierte! Die Atmosphäre und der (zumindest für mich) noch spürbare „Geist von 1998“ waren ein Mega-Erlebnis :D



Im Hintergrund kann man hier leider die eig. zu sehende Kirche Sacré-Coeur nicht sehen


Außerdem haben meine Eltern uns einen spontanen Kurzbesuch abgestattet und wir haben in einer Creperie gespeist, die unser „budget jeune“ wohl nicht zugelassen hätte:D Ein komisches Gefühl übrigens, seinen eigenen Eltern sein Zu Hause zu zeigen;) Leider hatte ich die Nacht vorher bis auf ein Stündchen im morgendlichen RER fast nicht geschlafen und so wurde ein tolles Wochenende gleichzeitig zu einer eher kraftraubenden Erholung. (Krasses Oxymoron - Miles ich vermisse die Mathestunden:*)
Aber dafür freue ich mich heute, einmal ausgeschlafen zu haben und bin so en forme, dass es direkt weiter nach Paris geht sobald ich meine Wäsche gewaschen habe. Eigentlich ist das Vorm-Waschen-drücken nämlich meine einzige Motivation soviel zu bloggen.. 
Trotzdem ergebe ich mich jetzt meinem Sisyphos-Schicksal und mach mich „auf die Socken“:D

Verzeiht meinen grauenhaften Samstagmorgenhumor mes amis & à samedi prochain!
ptitzizou10





Samstag, 8. Oktober 2011

"Der simuliert doch der Franzose!" :D

 
Bonjour!

Diszipliniert wie immer, hier mein nächstes kleines résumé! Und ich gehe ausnahmsweise einmal chronologisch vor:

Gleich Montag kam ich zehn Minuten zu früh zur Arbeit (immer diese Deutschen..) und hatte so noch kurz Zeit für einen Espresso: Als ich dann da stand und mich wach schlürfte, sah ich bei meinem dritten Besuch dieses einen Cafés ungelogen den dritten Unfall auf der Kreuzung draußen. Ich war ja eigentlich schon immer abergläubisch, aber ich glaube in diesem Fall fehlt da einfach nur ein Vorfahrtsschild. Bei den ersten beiden Unfällen hat es gereicht beim Autowegschieben zu helfen; diese Woche sah es aber etwas schlimmer aus und zum Glück war zufällig gerade ein Krankenwagen vor Ort. Trotzdem wurde mir in dem Moment klar, wie wenig ich vom Erste-Hilfe-Kurs beim Führerscheinmachen behalten habe und so nahm ich mir vor, mein Gedächtnis demnächst etwas aufzufrischen. Mal schauen was aus dem Plan wird..
Die Woche ging direkt etwas dramatisch weiter, als ich ins Lehrerzimmer (Es ist übrigens total bizarre, eine Schule mal von der anderen Seite kennenzulernen! :D ) kam und eine wütende Kollegin mir einen Zeitungsartikel über die Abschiebungen von Flüchtlingen in Marseille zeigte, von denen auch einer ihrer ehemaligen Schüler betroffen war. Ich selbst kannte den Jungen zwar nicht aber irgendwie war die Stimmung im MJR die ersten Stunden an diesem Montagmorgen so ziemlich im Keller.. Ich für meinen Teil gewann jedoch gegen Mittag ein Kickermatch 10 zu 2 und war spätestens da wieder voll en forme ;)

Dienstag habe ich viel Unterricht gegeben und in einem lichten Moment die Idee gehabt, das Melden in den Klassen einzuführen, was den Jugendlichen bis dato noch überhaupt nicht bekannt war, den Unterricht (zumindest für mich) aber ungeheuer erleichtert :D Gegen Feierabend (ein schönes Wort, für das es in Frankreich glaube ich gar kein wirkliches Äquivalent gibt) kam einer der Jeunes zu mir und erklärte mir wie gern er in Frankreich leben und reden würde, weil man hier gar nicht nachdenken müsse, bevor man etwas sagt. Diese Umschreibung für Meinungsfreiheit kannte ich bisher nur aus dem Kabarett und irgendwie konnte ich mir zum ersten Mal bildhaft vorstellen, wie es wäre, in einem Land zu leben, in dem man wirklich jedes Mal ernsthaft darüber nachdenken müsste, was man wann, wie und wo sagt. Denn statt dabei der Gefahr von schiefen Blicken und schrägen Kommentaren ausgesetzt zu sein, würden Konsequenzen wie Gefängnis auf dem Programm stehen.. Es wäre auf jeden Fall stiller um uns.

Und a propos Kabarett: Marius hat einen super Coup gelandet und mich und die Jeunes Freitagabend in eine Vorstellung geführt, die ein Deutscher und ein Franzose zusammen aufführten: Es wurden (teilweise auch auf Deutsch) mit einem super Humor die „relations franco-allemandes“ dargestellt und analysiert :D Angefangen bei dem Halbfinale der Fussball-WM 1982, über Frauengeschichten bis zu Mitterand und Kohl war thematisch alles dabei und selbst wenn man sich manchmal historisch nicht so ganz auskannte, hatte man immer was zu lachen - oder wenigstens zu schmunzeln ;)


 

Aber eigentlich müsste ich ja noch beim Mittwoch sein, von wegen chronologisch und so. Also: Mittwoch habe ich total verpennt und kam gut 60 min zu spät zur Arbeit. Damit war der Montag mehr als wieder ausgeglichen, und als ich meinem Ansprechpartner im MJR per SMS Bescheid gab, dass ich heut eine Stunde zu spät sein würde, kam ganz trocken zurück: „Kein Problem ich auch.“…Bon, nachmittags war ich mit den Jeunes im Musée d’Orsay - Ein super Ausflug, vor allem weil es zugegebenermaßen nicht ganz uneigennützig war, denn ich wollte unbedingt die Bilder der Impressionisten sehen. Dass es bei Museumsbesuchen mit Flüchtlingen da so eine Kleinigkeit gibt, an die zwei deutsche Freiwillige vorher nicht unbedingt denken, soll unseren Nachfolgern eine Warnung sein :D : Die Jeunes haben natürlich keine Ahnung wie viel Geld diese bunten Bilder wert sind. Man tut also gut daran, ihnen vorher zu erklären, dass man zB. nicht mit den Fingern auf den Werken herum wischen darf, weil man das ein oder andere Detail nicht mag…Ich war am Ende relativ K.O. und die von mir gesuchte Etage war aufgrund von Travaux leider nicht zugänglich. Das schreit nach einem zweiten Besuch!



Das Highlight am Donnerstag war ein tête-à-tête mit einem Lehrer der mir relativ schonend beizubringen versuchte, dass ich doch bitte nicht mehr singen oder pfeifen solle, denn er wäre Musiker. Wir ihr seht, bin ich also noch ganz der alte:D

Heute repose ich mich also erstmal nach einer wie immer schönen aber anstrengenden Woche (Ich frage mich ob sich das mit der Routine irgendwann nochmal verändert?!) und freu mich auf einen Soiree bei Freunden – Hier möchte ich mich einmal bei Taizé bedanken und die Bonni-Fahrt mit Herrn Voget empfehlen! Denn von den Bekanntschaften vieler echter Franzosen profitier ich nicht nur jetzt in Paris. Aber gerade hier haben Marius und ich nun das Glück, oft (in supergeile Häuser) zum Feiern eingeladen zu werden. Gut, mehr fällt mir grad nicht ein und ich bin heut trotz allen Ausruhens etwas in Eile, deshalb mach ich hier mal Schluss!

Also genießt den plötzlich hereingebrochenen Winter auch wenn ihr wie ich eher so die südlichen Typen seid;) Ciao!

Janis

PS:


Verzeiht Mes amis, ich weiß ich nerve bestimmt einige damit, aber ich muss im Moment einfach mal ein bisschen das verbreiten, womit ich mich grad andauernd beschäftige.. Ich hoffe ich werde Ende des Jahres nicht unüberlegt irgendwelche politische Richtungen einschlagen und äh.. relativ objektiv bleiben. - aber wer weiß schon was das nun wieder heißt ? :D

Samstag, 1. Oktober 2011

1/12 des Jahres rum!

„Hallo zusammen“:D Wo anfangen?

Alors..Die letzte Sortie (mit gut 25 Jugendlichen zum Tour Eiffel) war ein voller Erfolg, die Sonne war dabei und alle waren gut drauf! Außerdem wurde ich netterweise von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin unterstützt, weil die Activités mit all ihrer Planung und Bürokratie im Hintergrund oft dann doch stressiger sind als sie scheinen. Insgesamt war es aber ein super Nachmittag der von vielen Fotos und noch mehr deutschen Touristen geprägt war. Natürlich haben wir im Gegensatz zu denen nicht den Aufzug genommen, sondern sind zu Fuß bis zur zweiten Etage hoch – Wir sind ja eher so die Harten ;)

Ansonsten verlief die Woche verhältnismäßig ruhig: Donnerstag hat ein Creperie-Mann von „der anderen Seite“ mich so nett bedient, dass man durchaus von Flirtversuchen sprechen könnte; da er aber alle anderen männlichen Kunden genauso liebenswürdig empfing, fühlte ich mich relativ sicher. Marius meint, das alles sei auf meine neue Frisur zurückzuführen. Außerdem wurden mir an einem Tag von drei verschiedenen Leuten Komplimente wegen eines meiner T-shirts gemacht, das ich persönlich eher als mittelmäßig einstufe (Unter den dreien waren aber auch zwei Frauen, was der Sache insgesamt relativ viel Glaubwürdigkeit verleiht). Warum Paris die Stadt der Mode sein soll, verstehe ich also immer noch nicht...Oder ich verstehe noch viel weniger von Klamotten als ich bis jetzt dachte :) possible. Naja wie dem auch sei, die Hauptattraktion im MJR ist im Moment sowieso eher die neue ehrenamtliche Mathelehrerin, die selbst diejenigen Jeunes, die sonst die Mathe-AG meiden, dazu verleitet sich 2 einhalb Stunden mit Zahlen auseinander zu setzen. Selber Schuld.
Das Thema „Copine“ ist aber generell sehr gefragt und ich werde (halb als Kumpel, halb als Lehrer) sehr oft gefragt wie das mit Küssen, Freundin haben und Heiraten denn bei Christen oder in Deutschland gehandhabt würde..Meine größte Herausforderung diesbezüglich war der Versuch, auf Französisch zu erklären, dass zwei Muslime mit unterschiedlichen religiösen Auffassungen trotzdem gleichwertige Muslime sein können – Jeder in „seiner Welt“. Auf einen gemeinsamen Nenner kamen wir letztendlich erst durch die Feststellung, dass alle diese Welten und Ideologien eine unausweichliche Gemeinsamkeit haben: Keine hat Krieg und Gewalt zum Ziel. „La Guerre c'est un problème dans tous les mondes différents!“. Das wissen die Jeunes aufgrund ihrer Vergangenheit ja viel besser als ich. Trotzdem kommt es natürlich aufgrund der großen Anzahl von Jugendlichen und großen kulturellen Unterschieden manchmal zu kleineren Schlägereien, die dann eine Reunion zum Thema „Toleranz und Respekt“ nach sich ziehen. Gerade in solchen Momenten erlebe ich vor allem die sonst eher stillen Mitarbeiter als super kompetent und einfühlsam und ich bin echt froh, mit so einer guten Truppe zusammen zu arbeiten. Hoffentlich kann ich mir im Verlauf des Jahres noch viel abschauen;) Gleichzeitig weiß ich, wie wenig Geld in Projekte wie dieses, wie viel Geld aber zB in Waffengeschäfte gesteckt wird, und vor allem weil ich betroffene Jugendliche langsam besser kennen lerne und ins Herz schließe, macht mich das von Zeit zu Zeit wütend. Manchmal ist es dann echt schwer sich zu sagen „Alles Gute fängt im Kleinen an und bewirkt doch etwas“. Aber bevor man wirklich zu weinen anfangen kann, fällt im gesamten Haus dann der Strom aus weil irgendjemand beim Druckerpatrone wechseln falsche Anleitungen in der Hand hatte und schon ist man wieder ganz bei der Sache :D..
 
salle de classe
 
Verbes du premier groupe! :D


Bon, jetzt steht erstmal das Weekend vor der Tür und Marius und ich haben heute schon einen fetten Hausputz hingelegt, was mir komischerweise relativ viel Spaß gemacht hat und auch meinem Zimmer ganz gut tat. Natürlich ist weniger der bevorstehende Kurzbesuch von Marius Eltern der Grund für unseren Eifer, als vielmehr unser ausgeprägtes Verantwortungs- und Sauberkeitsbewusstsein (Neologismus?:D). Danach saßen wir wie ein altes Ehepaar in der Sonne auf unserer Feuertreppe zwischen Bahnhof und Flughafen und genossen die Aussicht auf das Häusermeer der Pariser Vororte. Aber mein tüchtiger Mitbewohner hatte eine Blume gekauft und es war romantischer als man annehmen könnte! Richtiges Brot habe ich letzte Woche übrigens auch entdeckt! Und es war gar nicht mal teuer... Und heute Abend werde ich hoffentlich fit genug sein, Ligue 1 zu gucken und danach Paris unsicher zu machen.


Aber gut, die Infos lassen an Qualität langsam nach; ich denke hier ist ein guter Zeitpunkt, Schluss zu machen;) Also Liebe Grüße aus Frankreich an alle die das hier lesen und bis mehr oder weniger bald!

Janis

P.S.:..mein erster Schuhschrank :( ich werde zur Frau..