Mittwoch, 7. Dezember 2011

Rundbrief 1 online

Hallo! Der erste der vier offiziellen Rundbriefe die auch auf aktiv-zivil.de veröffentlicht werden ist fertig und ich erlaube mir damit einen fälligen Blogeintrag zu ersetzen! Natürlich fehlen Fotos und manches wiederholt sich für konstante Abonnenten, aber dafür habe ich diesmal mehr Text und vielleicht einige vorher vergessene Details zu bieten. Wie auch immer voilà:

Rundbrief 1/4

Bonjour à toutes et à tous!

Draussen ist es saukalt, der Weihnachtsmarkt auf den Champs-Elysees kann mit unseren in Deutschland auf keinen Fall mithalten und mein Lieblingsviertel hier ist von Regen und schneidenden Windböen bedroht! So, hätten wir das Negative direkt abgehakt. Die Seine ist im herbstlichen Winter ehrlicher romantisch als im Sommer und es ist ein super Gefühl fast keine Touristen mehr zu hören und dadurch selber mehr und mehr zum Parisien zu werden.. Nach einem exzeptionellen Wochenende ist heute ein guter Tag um den Rundbrief zu verfassen, denn ich sitze gemütlich mit Kaffee und (nicht selbstgebackenen) Weihnachtsplätzchen auf unserem Sofa und obwohl ich eher so der südliche Typ bin, ist mir warm genug um ein paar Zeilen zu tippen.
Gleich zu Beginn sei gesagt, dass ich nicht den Anspruch habe, alles bisher Erlebte und Durchgedachte hier sauber aufzulisten. Im Gegenteil glaube ich, ist es mal an der Reihe ohne großes Planen drauflos zu schreiben – Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wurde uns ja auch eingebläut, anstatt einer objektiven Deutung der Welt lieber eine subjektive Deutung der aufgekommenen Fragen in Angriff zu nehmen. Also, die Weltformel dann im letzten Rundbrief von vieren! Prolog Ende.

Ich fang mal am Anfang an: Anfang September kamen mein Mitbewohner und Mitfreiwilliger Marius und ich samt drei Koffern, zwei Gitarren und Rucksäcken am Gare du Nord in Paris an.
Heute sind die Rollen von Langschläfer, Putzfrau, Gangsterrapper, Einkäufer und Chefkoch schon lange Routineverteilung, der Weg dorthin war aber genauso amüsant wie unser letztes Café-Gespräch, bei dem wir voller Erstaunen feststellten, dass Taxis in Deutschland ja gelb sind..bizarr! :D

Beide arbeiten wir für die (offiziell: Nichtregierungs-) Organisation "France Terre d'Asile". Und beide wohnen wir im obersten Stockwerk eines FTDA-Foyers (einer Art Jugendherberge) zusammen mit gut 25 minderjährigen Flüchtlingen, wo wir unser jungfräuliches WG-Leben. genießen. Natürlich gibt es auch teilweise Phasen in denen man nicht zur Ruhe kommt, vor allem wenn die Jungs mit denen wir hier wohnen selbst nicht zur Ruhe kommen und wir praktisch nach Feierabend noch weiterarbeiten. Trotzdem ist dieser Preis meistens klein für ein Jahr Paris ohne Miet- und Transportkosten. Andererseits arbeiten wir weder zeitlich noch, sagen wir "seelisch" wenig und mich schlaucht der Alltag hier in einer Großstadt deutlich mehr als der zur Schulzeit in einer Kleinstadt, die ich erstaunlicherweise doch zu vermissen beginne.
Die Arbeit gestaltet sich für uns formal sehr unterschiedlich, zeigt sich aber inhaltlich nur von Zeit zu Zeit als wirklich verschieden. Marius, der hier im C.A.O.M.I.D.A (Centre d’accueil et d'orientation pour mineurs isolés demandeurs d’asile – das besagte Foyer) als Animateur arbeitet, steht meistens gegen halb 12 auf und ärgert sich über den Lärm so früh am Morgen. Ich verlasse den Pariser Vorort Boissy-Saint-Léger spätestens um 07h51 per RER um mich den fröhlichen, hellwachen Pendlern anzuschließen, die in Paris Centre ihr Brot verdienen. Meine Arbeitsstelle ist nämlich das "Maison du Jeune Réfugié" (MJR), liegt im 18ten Arrondissement und stellt eine Art Zusammenschluss verschiedener Abteilungen von France Terre D'Asile dar: Von den Fluren gehen Türen zu Klassenzimmern sowie Büros von Sozialarbeitern, Juristen, Übersetzern und Französischlehrern ab. Ich verbringe die meiste Zeit mit letzteren, denn ich bin sozusagen Assistent der Koordinatorin dieser "Schule". Hier kommen die Jugendlichen kurz nach ihrer Ankunft in Frankreich hin, um Asylanträge zu stellen und Französisch zu lernen, bis sie in staatliche Schulen gehen können und einen festen Foyerplatz (zB. im CAOMIDA) in Aussicht haben. Meine Aufgaben variieren somit zwischen Accompagnements zu Ärzten, Ämtern und Einschulungstests sowie Lehrervertretungen und Ausflügen zu Sport-Events oder Kulturveranstaltungen/Sehenswürdigkeiten. So fällt mir die sehr freie Rolle zu, die mein Vorgänger schlau mit dem positiv gemeinten Begriff "Mädchen für alles" definierte. Das lasse ich einfach mal so stehen. Generell habe ich das Recht, über meine Arbeit im Vertragsrahmen des Freiwilligendienstes alles selbst mitbestimmen zu können und ich erlebe die Atmosphäre in der Mitte meiner engsten Kollegen und Ansprechpartner als so persönlich (und damit so gut) wie es nur geht. Das liegt meiner Meinung nach auch daran, dass die meisten Mitarbeiter weniger als fünfzehn Jahre mehr als ich auf dem Buckel haben. Als selbst ausländischer Animateur und Kumpel, aber auch Autoritätsperson (vor allem in Form des Vertretungslehrers) habe ich also auch eine wirklich spezielle und tolle, weil wenig vorgeschriebene Beziehung zu den Jugendlichen.

Ein typischer Tagesablauf eines solchen ist schwer zu skizzieren aber ich versuche es trotzdem einmal: Morgens gegen 7 Uhr ist Zeit aufzustehen, kurz zu duschen und in der Kantine zu frühstücken (falls es warmes Wasser gibt und der Jugendliche nicht in einem "Hôtel" unterkommt wo kein Frühstück bereitgestellt wird). Danach geht's ab in die Metro um durchschnittlich 30min bis zum MJR zu fahren. Um 9h00 werden dort die Türen geöffnet, und die ersten Kickerturniere ausgetragen bis um 9h30 der Unterricht beginnt. Falls er kein rendez-vous mit Sozialarbeitern hat, die sich mit seiner individuellen Situation als Flüchtling auseinandersetzen, wird unser Jeune also bis zum Mittagessen um 12h00 Französisch lernen und ab 13h00 AG's besuchen. Um 17h00 endet der Unterricht und um 18h00 höre auch ich auf zu arbeiten und das MJR schließt seine Türen wieder – Die Jeunes fahren meistens zurück in ihre Foyers die jetzt wieder öffnen. Wer in seiner Freizeit nicht auf dem Zimmer ist oder bei einem Kumpel DVDs guckt, unternimmt noch etwas in Paris oder geht ins Centre Pompidou um gratis mit PC-Lernprogrammen Französisch zu lernen. Vor allem die Afghanen erlebe ich da als super ambitioniert.

Die meisten anderen Jeunes kommen aus Bangladesh, Pakistan, Mali, dem Kongo u.a... Sie sind offiziell minderjährig und fliehen entweder vor Gewalt und Krieg aller Art oder wurden nach Europa geschickt um hier Geld zu verdienen und aufzusteigen. Aufzusteigen worin? Ich habe den Versuch, das genau auszudrücken mittlerweile aufgegeben. Anfangs wollte ich den Jugendlichen oft widersprechen und differenzieren, wenn pauschal "Allemand? Allemagne très bien!!" gerufen wurde. Aber mittlerweile erkenne ich in diesem Satz irgendwie eine Not. Oder besser gesagt den Blick auf die Erfüllung von Grundbedürfnissen. Denn die ist ja noch immer nicht in allen Ländern gewährleistet - Und hat man, wenn man diesen Blick mal gerechterweise über alle Politik, Struktur und Kultur stellt, nicht das Recht und sogar die Pflicht zu pauschalisieren? Über sowas denke ich viel nach, unterhalte mich nächtelang mit Marius und freue mich letztendlich in meiner Verwirrung immer, überhaupt die Chance zu haben, zu solchen Fragen gelangen zu können.

Was außerdem in dem Zusammenhang neu ist für mich, ist die "Zwangsehe" von Praxis und Theorie: Manchmal bin ich froh, "abgehobenen" Texten über Gott und die Welt für ein Jahr zu entkommen, manchmal lechtze ich danach (um in Sinn-Suchen die Realität besser auszuhalten?); manchmal freue ich mich, eine in der Vorbereitung gelernte Verhaltensregel gekannt zu haben, manchmal aber bin ich auch froh, ganz spontan aus dem Bauch heraus gehandelt zu haben.

Der Name "Freiwilliger Friedensdienst" passt dabei vor allem im Hinblick auf die "Völkerverständigung" meiner Meinung nach sehr gut: Ich durfte schon oft Momente erleben, in denen ich ganz unabhängig vom Auslöser eines Grinsens, Lachens oder akzentgetränkter Worte, die super Erkenntnis "Freude ist Freude" wirklich fühlen konnte. Nationalitäten, Überzeugungen, Lebensgeschichten und überhaupt alles bis auf das momentane Glücklichsein wird dann egal, und eines der wenigen Dinge bei denen man zwischen Menschen keine Unterschiede mehr findet (denn auch die sehe ich hier natürlich viel) steht plötzlich im Vordergrund.
Und wenn ich es nicht Liebe nennen darf, dann ist es eine Art Gleichheitsgefühl (nicht nur Gedanke!), das glaube ich die Grundlage für jegliches Mitgefühl, Vergebenkönnen und Friedenstiften darstellt. Bisher kannte ich aber nur den Gedanken - Es hat sich also alles schon jetzt gelohnt!

Gut, gerade geht das Philosophieren schon wieder mit mir durch. Wie man aber sieht, fehlt mir dazu nicht der Stoff, was doch ein gutes Zeichen ist non?

Jedenfalls habe ich keinesfalls das Bedürfnis, dieses Jahr hier abzubrechen oder zu verkürzen und bin mir mit jedem Tag ein bisschen sicherer, genau das richtige aus meinem Zivildienst, und Nach-Abitur-Jahr zu machen, vor allem auch, weil es sau Spaß macht so viele verschiedene Jugendliche aus ganz anderen Ländern zu treffen!

Alles weitere ist im nächsten Rundbrief zu erfahren oder in meinem Blog und ich schließe diese kleine Gedankenkette ganz klassisch mit einem Zitat:

"Wer mit 20 kein Kommunist ist hat kein Herz, wer es mit 40 immer noch ist hat kein Hirn"
Ob und wie wahr der Satz ist, werde ich hoffentlich noch genüsslich Stück für Stück erleben dürfen.

Alors, verzeiht mir meine Fehler die Rechtschreibung und Grammatik betreffend, liebe Grüße aus Paris et à très vite,

Euer Janis!

Mittwoch, 23. November 2011

It goes to show you never can tell...(oder: Milan 2 : 1 Barcelona)

Guten Abend meine Damen,

sorry dass ich nicht mehr konstant jeden Samstag blogge – aber ich tröste uns damit, dass Marius seit Oktober keinen Eintrag mehr verfasst hat, was mich zu einer relativen Heldenfigur in der FSJ-Szene macht. Ich komm auch direkt zur Sache, sonst wär's ja ein geheuchelter Eintrag, was man mir dann nachher noch ankreiden könnte :) Alors, wo anfangen?

Freitag. Denn letzten Freitag hatte ich einen exceptionnel genialen Tag! Ich habe Unterricht in einer anderen Schule von France Terre d'Asile gegeben, und eine kleine Geschichtseinheit vorbereitet gehabt, die sich dann aber über den gesamten Tag ausdehnen sollte. Leider bin ich kein Crack in Geschichte – Dass es aber auch andere Pyramiden als die vorm Louvre gibt, und was es mit Hitler oder den Atombomben auf sich hat, habe ich mehr oder weniger gut erklären können. Letztendlich war es ein Tag wie man ihn sich als „Lehrer“ nur wünscht: Die Jugendlichen waren extremst interessiert und wollten sogar die Pausen durcharbeiten, so ein „Wissensdurst“ war vorhanden. Ich wurde selbst in den von mir dann erzwungenen Pausen noch mit Neben- und Nachfragen zugedeckt und so oft wie an diesem Tag habe ich noch nie die fast akzentfreien „Merxis“ zu hören bekommen. Dabei fand ich mich viel mehr in der Position, mich bei ihnen zu bedanken – ich hatte wirklich das Gefühl, fast gar nicht gearbeitet zu haben, weil das Interesse und der Spaß am Thema alles von selbst machten. Jedenfalls habe ich dadurch einen Motivationsschub in Richtung Lehramt erhalten, mit der Hoffnung in staatlichen Schulen auch einmal eine solche Werschätzung und Begeisterung für das Gelehrt-werden an sich vorzufinden.
Auf der anderen Seite tu ich mir hier sehr schwer damit, mich als Lehrer zu begreifen, denn wenn es sich in frankophonen Klassen gerade mal weniger um die Schritflichkeit und mehr um Diskussionen dreht, bin immer ich es, der die Fehler macht und verbessert wird. Auch inhaltlich fühle ich mich oft gar nicht so sicher, und mit Hilfe von einigen teilweise besser informierten Jugendlichen, läuft es in verschiedenen Fächern oft auf ein gemeinsames Lernen hinaus.
Nachdem ich aber mit „Geschichte“ einen echten Glücksgriff gelandet hatte, habe ich versucht, ähnlich interessante Themen zu finden und vorzubereiten: Philo, Copine und kleine Filmsequenzen drehen landen dabei weit vorne und ich bin gespannt wie das ankommen wird - Natürlich schaue ich mir dabei auch nicht selten gute Tricks bei den Educs ab :)



Kunst-AG


2 Stunden Internet - ein Luxus!
 Am Wochenende kam dann als Highlight eine schon zu lange ausgebliebene réunion mit meinem Freund aus dem Osten endlich zustande – und um die guten alten Zeiten aufleben zu lassen, wurden Cornflakes und Fifa rausgeholt. Dank eines kleinen WG-Turniers konnte ich auch Marius nochmal näher kennenlernen :) Alles in allem ist es irgendwie bizarr, Paris als mein „zu Hause“ zu präsentieren, aber wenn man sich erst mal dran gewöhnt hat ist es saugeil! :D


Milan+Barca 1 : Nostalgie 0

Diese Woche begann aber dafür relativ ruhig: Zwischen Einschulungstests und Bürozeugs sowie Vertretungsstunden fing ich an, anstehende sorties zu planen und mich zu fragen, wieso der Winter mit so einer fiesen Mischung aus Kalt, Nass und Sonne beginnen muss..und ob der Sommer dieses Jahr ebenfalls nichts Halbes und nichts Ganzes werden würde. Vor allem in Erinnerung an meinen letzten Geburtstag, an dem schon Schnee lag, verstehe ich den Klimawandel immer falscher. Ein ungewohntes Erlebnis war es auch, warme Klamotten, die vom Roten Kreuz eingesammelt worden sind, an die Jugendlichen auszuteilen – Sonst kannte ich diese Prozedur nur von der anderen Seite, als ich „Alt“klamotten zum Container brachte.

Heute hatte ich eine sortie zum Arc de Triomphe geplant, die durch verzögerte Ticketausteilung, etliche rendez-vous und eine kleine Schlägerei eine Stunde später als gedacht stattfand, als sich die Sonne leider in Nebel verwandelt zu haben schien. Trotzdem hatten die Jungs die mitgekommen sind Spaß und es entstanden viele Bilder, vor allem danach auf den Champs, wo ein Tänzer uns mit Breakdance (und bestimmt noch vielen anderen Dingen mit denen ich mich nich auskenne) beeindruckte. Unterwegs habe ich gemerkt, dass ich mittlerweile viel abgebrühter mit der Verantwortung für 15 Jugendliche umgehe, und mich nicht alle 20 Meter umdrehe um nachzählen, ob noch alle da sind. Das ist eine ziemlich coole Entwicklung, weil ich viel entspannter bin und damit selbst mehr von den Ausflügen profitiere als vorher.

Als Foto getarnte Treppensteige-Pause






  
Eher so der südliche Typ hatte seine Mütze vergessen

 
Champs-Elysees


....So, in Anbetracht der Tatsache, dass in 15 min das Topspiel Milan-Barca beginnt und ich noch ein Weilchen brauche um unten im TV-Raum meine Teamkollegen und Gegner auszumachen, komme ich hiermit zum Ende!

Ich wünsche wahlweise einen wundervollen Championsleague-Abend und obligatorisch eine gute Restwoche mes amis! ;)

A+

Luke Skywalker




Montag, 14. November 2011

jaja fotos gibts nächstes mal wieder :D


Bonsoir à toutes et a tous!

Eine weitere Arbeitswoche ist angebrochen und ich habe nach einem super Wochenende, an dem zwei Freunde von Marius hier waren und ich mit waschechten Franzosen Fussball spielen konnte, einen super Start in die Woche gehabt! Die Weihnachtszeit macht sich immer deutlicher bemerkbar und pinselt mir vor allem nach Feierabend auf dem Weg zum RER ein ebenfalls immer deutlicheres Grinsen ins Gesicht. Bald wird dann auch der Weihnachtsmarkt auf den Champs decouvriert ;) Und der wochenendliche Besuch aus Deutschland verdichtet sich, genau wie die Schokoladenvorräte in Kühlschrank und Bauch, und das alles relativ kurz vor meinem Geburtstag.. Mir geht’s also soo gut ey! ;D

Heute habe ich vor allem viel Zeit im Louvre verbracht, weil ich mich für eine Kurzeinführung in Räumlichkeiten und Hauptwerke eingeschrieben habe, um als „guide“ unabhängig kleinere Gruppen im Museum umherführen zu dürfen. Ob und wie gut das am Ende verläuft werde ich natürlich beizeiten berichten.
Gerade kam ich jedenfalls erstmal erschöpft nach Hause und fand eine Art „taz“- oder „guardian“-Artikel auf unserem Wohnzimmertisch, den ich mir während eines hochwertigen Dîners reingezogen habe.
Ganz  akademisch wird darin die Situation von Fance Terre D'Asile beschrieben und es werden genau die Gebäude erwähnt, in denen ich tagtäglich rumgurke :) War schon ein bisschen stolz muss ich zugeben!
Überwogen haben aber andere Gefühle, denn die von FTDA an den Staat gestellten Forderungen, bei denen es sich größtenteils „nur“ um genügend Schlafplätze für die Flüchtlinge handelte, geben anscheinend schon genug Stoff für ein riesiges politisches Tauziehen. Meine, sagen wir „Herzensforderung“ für die Jugendlichen, die schonmal damit anfängt, dass auf 5 Flüchtlinge ein Psychologe kommt, ist also absurder als selbst Camus es hätte verstehen können.
Damit nicht genug, habe ich kurz darauf gelesen, dass es anscheinend Leute gibt, die darüber diskutieren und mit Unsummen spekulieren, wer hinter welchen Terror-Anschlägen in Europa steckt. Denn 'wenn es die Einen waren, würden die Aktienkurse nicht so stark fallen wie wenn es die Anderen waren'..
Auch wenn ich weder die Aktienmärkte noch die Aide Sociale à l'Enfance auch nur halbwegs zu durchschauen meine: Dass irgendwas verdammt falsch läuft muss man einfach merken bzw. aushalten. Und das fällt mir heute Abend zum ersten Mal wirklich nicht leicht. Das Jahr hier zu verbringen verändert glaube ich gar nicht mal so sehr das Wissen um diese Probleme, aber das Bewusstsein darüber - wie ein Satz aus dem Artikel schön sagt: „Pour l'administration et les journaux ces jeunes sont des mineurs isolés etrangers, pour d'autres ce sont des enfants qu'il ne faut pas laisser tomber“. Aber selbst diesen Satz habe ich vorher auch schon mal gelesen und trotzdem anders, irgendwie leerer wahrgenommen als jetzt.

„Leider“ lese ich gerade auch noch ein tolles Buch von Herrn Schweitzer, der so an unser Mitgefühl glaubt, dass er meint, keine Grundregeln der Ethik und Moral aufstellen zu müssen sondern schlicht zu fordern, dass jeder ehrlich und situativ nach seinem subjektiven Ermessen allem Leben gegenüber ehrfürchtig handeln solle. Wie immer wenn ich wichtige Männer zitiere kommt Campino natürlich prompt auch vor: „Dann möcht ich glauben dass es stimmt, dass alle Pessimisten Lügner sind!“ Bon...So viel wie bei diesem Essen habe ich glaube ich schon lange nicht mehr nachgedacht, und weil Marius leider gerade nicht da ist, nehme ich also den „Blog“ zur Hand.

Naja, Ich hoffe ich habe nicht all zu viel Durcheinander und Wut an mich heran – und durch diesen Eintrag heraus gelassen, und gelobe hiermit, beim nächsten Eintrag etwas bunter zu berichten! Denn bunt genug ist es auf jeden Fall! Ich profitiere auch immer mehr von ellenlangen nächtlichen Gesprächen mit meinen Mitfreiwilligen sowie den mir bekannten Franzosen in meinem Alter. Das macht mir (trotz der wachsenen Erkenntnis, wie wichtig mir das „perfekte“ Beherrschen einer Sprache ist) mega Spaß :) Nach zwei Monaten spüre ich echt schon, dass es genau das richtige war, dieses Jahr hier und auf diese Weise zu verbringen. Und ich bekomme auch immer mehr Lust aufs Studieren, um noch einmal leidenschaftlich in alle möglichen Ideen, Texte und Theorien einzutauchen, bevor ich dann hoffentlich frohen Mutes 30 Jahre arbeiten werde :D Aber meine Biographie wollt ich jetzt eigentlich nicht mehr anfangen.

Also, allen LeserInnen sei gesagt, dass ich in vielen verschiedenen Momenten an viele Verschiedene von euch denke! Allen eine gute Woche und a la prochaine! ;)

Gute Nacht

Montag, 7. November 2011

but what a shame cause everyone's heart doesn't beat the same

Also nach längerer Pause hier ein weiteres kleines Update zu meinem Leben in Paris!

Eigentlich wollte ich das schon Sonntag in Angriff nehmen, aber dann kam das große islamische Opferfest „Laid“ (?) dazwischen. Etwas verkatert habe ich also am Wochenende gelernt, dass dies zu den Feierlichkeiten des Hadsch (der Wallfahrt nach Mekka) gehört und vom Stellenwert etwa unserem Weihnachtsfest entspricht. Ein Detail zumindest ließ ebenfalls darauf schließen: Es gab leckeres Essen! Viel laute Musik (die ich aber beim Ausschlafen überhörte) rundete das ganze zusammen mit den relativ „herausgeputzten“ Jugendlichen und der Tagesparole „Eid Mubarek!“ dann zu einem fröhlichen Tag ab - Außer für Marius, der schon in den frühen Morgenstunden den Grill aufbauen musste... Job ist Job.

Die Woche vorher habe ich mir zum ersten Mal eine wohlverdiente Ferien-Pause genehmigt und direkt genutzt um ordentlich sauber zu machen, bevor ich dann 5 Tage das schöne Mädchen beherbergen durfte.
In welch romantische Stimmung mein Zimmer nachts durch schreiende Jugendliche, afghanische Musik sowie laute Baustellen-, Bahnhof- und Flughafengeräusche verwandelt wird, war mir schon gar nicht mehr bewusst...
Außerdem war „eine“ Shoppingtour erneut Anlass, neidisch aufs Frau-Sein zu werden: Es gibt für euch eine so enorme Klamottenvielfalt, die einen schon erschlägt noch bevor die Galerie Lafayette überhaupt in Sichtweite kommt. Und ein vintagestore-Hemd wollte ich als „freier und williger“ Tütenträger sogar heimlich noch für eigene Zwecke entwenden..aber no chance:D
Und auch wenn Abschiede nicht zu meinen Stärken gehören, war's eindeutig die beste Woche jusque là ;)


aint she sweet
Heute hatte ich dann meinen „ersten Arbeitstag“ und ich war fit und gut drauf – ein gutes Zeichen beim rentrée! Außerdem gab es viel zu erleben und so trifft es sich gut, dass ich erst heute meinen Blogeintrag verfasse: Ein Jugendlicher kam in einer eher öden Arbeitsphase zum Lehrer-Computer und unterhielt sich mit mir: Er müsse jetzt zum Psychologen und zum Arzt. „Mais moi pas de problème oke? Moi normal!“. Auch wenn ich es erst nicht richtig verstehen konnte (wollte?), wurde klar, dass Therapie und Sonderbehandlungen für ihn etwas Schlechtes, fast eine Schmach seien.
Daraufhin erzählte ich davon, dass meine Eltern genau in den beiden Berufsfeldern tätig sind, aber bis ich ihm anhand meines Persos und den im Internet aufgelisteten Adressen von Praxen bewies, dass ich ihn nicht anlog, wollte er mir nicht glauben. Danach musste er aber gottseidank etwas erleichtert grinsen.
Dann das nächste Problem, das ihn bedrückte: Der Richter verweigere ihm wohl das Asylrecht wenn er sich nicht endlich für eine Arbeit entscheide, die er später erlernen wollte. Deshalb fragte er mich, ob im Internet nicht auch sein Name und sein späterer Beruf schon aufgelistet wären :D
Nächstes Gesprächsthema waren das oben angesprochene Fest und seine Erzählungen von Bangladesh, die sich sehr auf das Köpfen von Schafen beschränkten – das, was ihm letzten Sonntag etwas gefehlt hätte. Aber da ging es dann erst richtig los, denn wenn es schon um Messer und Blut geht, sind andere Stories auch nie weit. Anfangs hörte ich mich noch mit Sätzen wie „Jetzt bist du ja hier, du hast es schon weit geschafft“ antworten, erinnerte mich dann aber an gewisse Vorbereitungsseminare vor dem FSJ und ließ den Jungen (fühlt sich total komisch an, hier den Namen zu verschweigen) ausreden – und der redete wie ein Wasserfall, was bei den Erlebnissen kein Wunder war. Im Gegenteil, sie erklärten gleichzeitig seine Schlaflosigkeit.
Wie dem auch sei, irgendwann wurde er von irgendwem gerufen und die einzige Frage mit der er mich zurückließ war, wie er diese Rufe während des Erzählens überhaupt hatte wahrnehmen können. Als ich dann ein bisschen nachdachte, hatte ich noch eine Frage: Was hat das Asylantragstellen da noch mit zukünftigen Berufen zu tun?!
Ich war aber erstaunlicherweise nicht lange durch den Wind und hatte eine Stunde später auch noch eine super Begegnung mit einem „Ehemaligen“, der seine altern Lehrer besuchen kam: Ein 20-Jähriger Afrikaner der heute in guten und sicheren Verhältnissen in Bordeaux lebt, eine Stelle als Bauarbeiter hat und bald heiratet. Also zwei Extreme an einem Tag und ich bin motiviert wieder voll in der Arbeit angekommen.
Und a propos Bordeaux: Fussball jetzt endlich im TV und nicht mehr nur im Internet zu schauen, ist eine größere Bereicherung als die meisten von euch verstehen werden! :D Vor allem die späten Sonntagabend-matches mit den jeunes aus dem CAOMIDA zu schauen, passt sehr gut in meinen Tagesablauf :) Ansonsten sehe ich mittlerweile immer mehr Jeunes bei uns ankommen und wieder gehen und habe das gute Ego-Gefühl als „alter Hase“ dabei zu sein. Ich hoffe, das wirkt sich auch noch auf die Qualität beim Organisieren von Unterricht und Sorties und auf meine gesamte Ausstrahlung während der Arbeit aus. Hin- und Rückweg lege ich mittlerweile im gemütlichen Dunkel zurück, plus ein paar Mandarinen und die Weihnachtsstimmung kommt langsam auf!

(Die unterschiedlichen Regelungen zu den tickets restau veranlassen Marius und mich nämlich auch öfter, Obst dazuzukaufen, was unterm Strich eine gute Investition ist, da alles was „Ernährung und Waschen ohne Mama“ angeht wirklich manchmal Disziplin erfordert... ) Achja, Marius und ich sind inzwischen sowieso eher so wie Xavi und Iniesta :)

 
Aint he sweet? Danke nico nächsten samstag bei uns;)


Also ich glaube das reicht erstmal an nouvelles und auch wenn mir der Eintrag gerade genau so extremst ungeordnet vorkommt wie meine Gefühle – ich häng noch ein paar Bilder dran und ab unter die Dusche!

Bonne nuit et a bientot,

Jean ;)


 


Montag, 24. Oktober 2011

Vertrauen ist gut, noch mehr Vertrauen ist besser!

Hallo!

Gleich zu Anfang ein faux pas: Gibt heut leider keine neuen Bilder! :D Bis auf ein Foto unseres majestätischen Abendessens (das gerade damit zu Ende geht, dass wir fett und faul im Wohnzimmer sitzen und einer von den zwei Helden sich der Herausforderung stellt, einen halbwegs sinnvollen Blogeintrag zu verfassen)
gibt es bedauerndwerter Weise kein eindrucksvolles visuelles Update..
Auch gebe ich ohne rot zu werden zu, dass ich am Wochenende weder Zeit noch Lust hatte zu bloggen – Jetzt hingegen „hab' ich total Bock“ :D

Ne im Ernst, das Wochenende war relativ anstrengend: 100 Jeunes + 12 Accompagnateurs
auf Disneyland-Ausflug! Obwohl ich eigentlich kein großer Funparkfan bin, habe ich keine Attrakation ausgelassen und auch alles ohne traumatische Erlebnisse überstanden. Zwischendurch haben dafür aber die mir zugeteilten Jugendlichen extrem schlechte Ausreden erfinden müssen, um vor ihren Kumpels ohne Gesichtsverlust erklären zu können, wieso die ein oder andere Achterbahn nichts für sie wäre.. Witzig für mich war auch, dass ihnen ausser Aladin keine einzige Disneyfigur oder -story bekannt war und manchmal voller Begeisterung an Orten Fotos gemacht und angestanden wurde, wo sonst nur Kleinkinder zu finden waren. Ausserdem schwankte ich innerlich andauernd zwischen Abscheu vor dem geschmacklosen Rosa-Konsumimperium (ein Überraschungsei für 5 Euro war ein ernstgemeinter Preis), und meiner Freude über die Begeisterung der Jugendlichen, die wirklich von der ersten Minute an vollends entfacht war.
Und das bei 5 Grad Minus. Gefühlt -500. Nichts für südliche Typen also!;)
Wie dem auch sei, nach 12 Stunden Disney dröhnte mir am Ende echt der Kopf und alle die länger als einen Tag in der blinkenden Trallalala-Landschaft aushalten, können sich bei mir ein Überraschungsei abholen.
Leider wurde ich beim abendlichen Bad dann von zwei Educs gestört, weil scheinbar ein Rohrbruch in meinem Badezimmer die gesamte Wand des Gebäudes durchnässt hatte und die Mauer des Fernsehzimmers im Erdgeschoss gerade zerbröckeln ließ, was selbst den begeistertsten Fußballfans dann auch irgendwann auffiel. Dass ich also am Wochenende nicht mehr gebloggt habe, verzeiht mir bitte! :)

Heute hat unser Hausmeister aber gemeint das einzige Problem sei gewesen, dass ich meine Wanne habe zu voll laufen lassen. Ich hoffe er hat recht...aber manchmal weiß selbst ich da nicht genau wie ich mit der französischen Mentalität umgehen soll...Konkret: duschen oder nicht duschen? :D
Aber umso besser, dass ich da auf Bush, den alte Fuchs und Friedensnobelpreisträger zurückgreifen kann, der schon einmal erklärt hat, wieso die Franzosen auf der Welt nicht verstanden werden:
“Das Problem mit den Franzosen ist, dass sie kein Wort für entrepreneur haben.”

→ duschen! :D

Sonntag war dann mein „deutscher Tag“: Erst habe ich mich mit einem etwas jüngeren Freund aus Deutschland getroffen, der auf Durchreise war und nach einem Schüleraustausch auch einige gute Geschichten (die Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland betreffend) auf Lager hatte.
Danach verbrachte ich den Rest des Tages mit einer befreundeten Familie aus meiner Heimatmetropole Hilden und konnte viel Energie für die kommende Woche tanken.
Danke nochmal für die Mitbringsel und dafür, dass mir vielleicht unbewusst das Gefühl gegeben wurde, ein echter Einheimischer zu sein!

Was die Arbeit im MJR angeht, bin ich endlich ein eingearbeiteter Mitarbeiter, der die Arbeit auch vorantreibt anstatt sie durch Fragerei aufzuhalten. Ich weiß wer wo was wann wie macht und kann bei Fragen stolz Auskunft geben und weiterhelfen. Am Telefon habe ich mittlerweile eine halbwegs flüssige Begrüßungsfloskel drauf – die meisten Anrufe die ich entgegen nehme (was ich überhaupt nur tue, wenn meine Chefin nicht da ist) kommen aber von der Accueilfrau, die eben diese Floskeln nur testen will.
Aber wir arbeiten auch.
Zu ein, zwei Jugendlichen habe ich mittlerweile sogar eine etwas „besondere Beziehung“ aufgebaut; Soll heißen, ich bin einer ihrer wenigen Ansprechpartner, denen wenig verheimlicht wird. Natürlich geht mit dieser schönen Entwicklung eine Verantwortnug Hand in Hand, die ich lieber noch mit notamment einem bestimmten Mitarbeiter teile. (Dem Rennpiloten aus Toulouse;))

Auch mein Mitbewohner entwickelt sich super obwohl ich ihn selten gieße:
Erstmals fallen sogar Unterschiede in der WG-Philosophie auf! Aber vernünftig und rücksichtsvoll wie wir sind, bewegt sich das alles weit weg von Problemen oder gar Streit. Es kommt viel eher zu Loriot-ähnlichen Szenen, die wir dann mit breitem Grinsen und Marius Super-Satz „Meine Frau wird auf jeden Fall cool“ zu den Akten legen. A propos, was Mädchen angeht sind wir genauso selten einer Meinung wie bei der emotionalen Verfassung nach gutem Alkoholkonsum. Aber in einer Welt der Dualität ist das alles eigentlich auch nichts besonderes. Und eines muss man dem werthen Herrn lassen: Wie sich rausstellte ist er ein super „Buchempfehler“! :)

Morgen geht es für mich mit 25 Jeunes und einer anderen Lehrerin aus dem MJR in einen großen Zirkus, und ich bin gespannt was die Jugendlichen dazu sagen. Aber auch ich war schon so lange nicht mehr im Zirkus, dass ich eine gewisse egoistische Vorfreude verspüre.

Jetzt muss ich aber Schluss machen sonst lässt mein Wecker sich morgen scheiden – All good and from the best the best my dearest friends und gute Nacht!


Der Schein trügt, es war vorzüglich!


Samstag, 15. Oktober 2011

Ich fang direkt an, Titel und Einleitung sind was für Heuchler:

Marius und ich haben uns diese Woche ernsthafter über unsere Rolle und die Arbeit bei France Terre D'Asile unterhalten, und es fällt uns (oder zumindest mir) echt schwer, eine klare Richtung einzuschlagen von der ich glaube, dass sie die einzig richtige oder wenigstens „die richtigste“ ist.

Denn natürlich kommt es auch vor, dass wir selbst in unserer eigenen Enttäuschung über Undankbarkeit nach großen Bemühungen oder bei körperlichen Bedrohungen seitens der Jugendlichen, auch auf diese wütend sind – Dass die Jeunes andere Verhaltensmuster kennengelernt haben und gerade Gewaltanwendung (auch gegen sich selbst) ihnen erstens ihr Leben lang vorgelebt wurde, und zweitens offensichtlich eigentlich nur der Ausdruck von einem Gefühl riesiger Hilf- bzw. Machtlosigkeit ist, ist Abends in aller Gemütlichkeit leicht nachzuvollziehen. Wenn man aber gerade den Ausflug zum Fussballspielen oder ins Kino starten will (übliche Stressfaktoren wie tausend Veränderungen der Anwesenheits-und Mitgliederlisten, die Frage nach dem ausfallenden Mittagessen, die festzuhaltene Verteilung der Metrotickets, und die schon einstündige Verspätung sind natürlich immer vorhanden), und ein Jugendlicher redet von „casse-tete, casse-tete“ falls er kein ticket-restau bekäme, ist es mit der eigenen Ruhe auch schnell vorbei.

kurze Schleichwerbung, danke luki ;)
Wann wir den Jugendlichen Grenzen aufzeigen sollten, wann wir ein Auge zudrücken oder sie in Schutz nehmen sollten (und gegenüber wem?) sind in der plötzlichen Praxis total komplexe Fragen..
Und keinesfalls leichter macht es mir da die fließende Grenze zwischen Verantwortung als Mitarbeiter und Solidarität als „Kumpel“ der Jeunes, gerade die Autorität betreffend:
Denn wenn ich mich dann mal für das so schön klingende „Grenze aufzeigen“ entscheide - Wie mache ich das genau? Vor allem wenn ich nicht viel älter und körperlich sowie zahlenmäßig klar unterlegen bin, dann noch schlechter Französisch spreche als die meisten der Flüchtlinge, und diese einen Sch.. auf meine Rolle als Responsable geben.
Ich finde es also schwer, da hundertprozentig richtige Verhaltens-Vorgaben zu finden, die ich als Zielsetzung immer anpeilen könnte. Vielleicht gibt es das in diesem „Beruf“ aber in der Art auch gar nicht, weil jede Situation sich von der anderen mindestens um einige Nuancen unterscheidet.
Was mir aber eigentlich im Moment bewusster wird, ist, dass es auf keinen Fall ein „Schwarz-weiß-Malen“ gibt. Kein „Das sind die Guten, das sind die Bösen“.
Nur müsste man glaube ich die Ruhe Buddhas besitzen, um jedem Beteiligten (ob Educ, Jeune, Polizist, Animateur, Bahnangestellten etc etc.) gegenüber wirklich immer "nachsichtig" und verständnisvoll zu handeln..
Das soll aber nicht im Geringsten heißen, dass ich mich jeden Abend total verloren und verzweifelt weinend ins Bett werfe; ich bin vielmehr froh darüber, mir solche Gedanken machen zu können und mein persönlichstes Erleben dieser Arbeit zu reflektieren (und auch dafür ist es gut, einen deutsch sprechenden Mitbewohner zu haben). Außerdem gibt es auch sehr oft die super Cliché-Momente, in denen man das gegenteilige Gefühl bekommt, bei einzelnen Jugendlichen wirklich etwas zu bewegen. So sitze ich zB. manchmal nach dem Essen noch in der Kantine und nehme an kleinen Diskussionen (sprachlich durchzogen von englisch, französisch, urdu, pashto, arabisch und deutsch) teil, die dadurch entstehen, dass ein Jugendlicher ein lesbisches Paar gesehen hat, und bestenfalls damit enden, dass Worte wie „Demokratie“ und „Toleranz“ etwas mehr Gestalt bekommen. Auch wenn das lange nicht heißt, dass Homosexuelle für jeden der Jeunes danach etwas ganz Normales sind.
..„bon, bah, bref:“ Besser als mit „spannend“ kann man mein Jahr glaube ich kaum beschreiben! :D

So etwa war letzte Woche auch freizeitlich viel los:
Laura aus dem FFD-Projekt in Montpellier ist uns besuchen gekommen und wir konnten das Privileg eines bis zur Seine getragenen Sofas auskosten. Pluspunkt für die Police, die uns gewähren ließ! (und Danke für die Musik an dieser Stelle Mademoiselle demengmateng)


Außerdem hatte mein pausenlos engagierter Mitbewohner Karten für das EM-Qualifikationsspiel Frankreich-Bosnien klar gemacht, und wir haben also im legendären Stade de France miterlebt wie Frankreich sich (mehr schlecht als recht) qualifizierte! Die Atmosphäre und der (zumindest für mich) noch spürbare „Geist von 1998“ waren ein Mega-Erlebnis :D



Im Hintergrund kann man hier leider die eig. zu sehende Kirche Sacré-Coeur nicht sehen


Außerdem haben meine Eltern uns einen spontanen Kurzbesuch abgestattet und wir haben in einer Creperie gespeist, die unser „budget jeune“ wohl nicht zugelassen hätte:D Ein komisches Gefühl übrigens, seinen eigenen Eltern sein Zu Hause zu zeigen;) Leider hatte ich die Nacht vorher bis auf ein Stündchen im morgendlichen RER fast nicht geschlafen und so wurde ein tolles Wochenende gleichzeitig zu einer eher kraftraubenden Erholung. (Krasses Oxymoron - Miles ich vermisse die Mathestunden:*)
Aber dafür freue ich mich heute, einmal ausgeschlafen zu haben und bin so en forme, dass es direkt weiter nach Paris geht sobald ich meine Wäsche gewaschen habe. Eigentlich ist das Vorm-Waschen-drücken nämlich meine einzige Motivation soviel zu bloggen.. 
Trotzdem ergebe ich mich jetzt meinem Sisyphos-Schicksal und mach mich „auf die Socken“:D

Verzeiht meinen grauenhaften Samstagmorgenhumor mes amis & à samedi prochain!
ptitzizou10





Samstag, 8. Oktober 2011

"Der simuliert doch der Franzose!" :D

 
Bonjour!

Diszipliniert wie immer, hier mein nächstes kleines résumé! Und ich gehe ausnahmsweise einmal chronologisch vor:

Gleich Montag kam ich zehn Minuten zu früh zur Arbeit (immer diese Deutschen..) und hatte so noch kurz Zeit für einen Espresso: Als ich dann da stand und mich wach schlürfte, sah ich bei meinem dritten Besuch dieses einen Cafés ungelogen den dritten Unfall auf der Kreuzung draußen. Ich war ja eigentlich schon immer abergläubisch, aber ich glaube in diesem Fall fehlt da einfach nur ein Vorfahrtsschild. Bei den ersten beiden Unfällen hat es gereicht beim Autowegschieben zu helfen; diese Woche sah es aber etwas schlimmer aus und zum Glück war zufällig gerade ein Krankenwagen vor Ort. Trotzdem wurde mir in dem Moment klar, wie wenig ich vom Erste-Hilfe-Kurs beim Führerscheinmachen behalten habe und so nahm ich mir vor, mein Gedächtnis demnächst etwas aufzufrischen. Mal schauen was aus dem Plan wird..
Die Woche ging direkt etwas dramatisch weiter, als ich ins Lehrerzimmer (Es ist übrigens total bizarre, eine Schule mal von der anderen Seite kennenzulernen! :D ) kam und eine wütende Kollegin mir einen Zeitungsartikel über die Abschiebungen von Flüchtlingen in Marseille zeigte, von denen auch einer ihrer ehemaligen Schüler betroffen war. Ich selbst kannte den Jungen zwar nicht aber irgendwie war die Stimmung im MJR die ersten Stunden an diesem Montagmorgen so ziemlich im Keller.. Ich für meinen Teil gewann jedoch gegen Mittag ein Kickermatch 10 zu 2 und war spätestens da wieder voll en forme ;)

Dienstag habe ich viel Unterricht gegeben und in einem lichten Moment die Idee gehabt, das Melden in den Klassen einzuführen, was den Jugendlichen bis dato noch überhaupt nicht bekannt war, den Unterricht (zumindest für mich) aber ungeheuer erleichtert :D Gegen Feierabend (ein schönes Wort, für das es in Frankreich glaube ich gar kein wirkliches Äquivalent gibt) kam einer der Jeunes zu mir und erklärte mir wie gern er in Frankreich leben und reden würde, weil man hier gar nicht nachdenken müsse, bevor man etwas sagt. Diese Umschreibung für Meinungsfreiheit kannte ich bisher nur aus dem Kabarett und irgendwie konnte ich mir zum ersten Mal bildhaft vorstellen, wie es wäre, in einem Land zu leben, in dem man wirklich jedes Mal ernsthaft darüber nachdenken müsste, was man wann, wie und wo sagt. Denn statt dabei der Gefahr von schiefen Blicken und schrägen Kommentaren ausgesetzt zu sein, würden Konsequenzen wie Gefängnis auf dem Programm stehen.. Es wäre auf jeden Fall stiller um uns.

Und a propos Kabarett: Marius hat einen super Coup gelandet und mich und die Jeunes Freitagabend in eine Vorstellung geführt, die ein Deutscher und ein Franzose zusammen aufführten: Es wurden (teilweise auch auf Deutsch) mit einem super Humor die „relations franco-allemandes“ dargestellt und analysiert :D Angefangen bei dem Halbfinale der Fussball-WM 1982, über Frauengeschichten bis zu Mitterand und Kohl war thematisch alles dabei und selbst wenn man sich manchmal historisch nicht so ganz auskannte, hatte man immer was zu lachen - oder wenigstens zu schmunzeln ;)


 

Aber eigentlich müsste ich ja noch beim Mittwoch sein, von wegen chronologisch und so. Also: Mittwoch habe ich total verpennt und kam gut 60 min zu spät zur Arbeit. Damit war der Montag mehr als wieder ausgeglichen, und als ich meinem Ansprechpartner im MJR per SMS Bescheid gab, dass ich heut eine Stunde zu spät sein würde, kam ganz trocken zurück: „Kein Problem ich auch.“…Bon, nachmittags war ich mit den Jeunes im Musée d’Orsay - Ein super Ausflug, vor allem weil es zugegebenermaßen nicht ganz uneigennützig war, denn ich wollte unbedingt die Bilder der Impressionisten sehen. Dass es bei Museumsbesuchen mit Flüchtlingen da so eine Kleinigkeit gibt, an die zwei deutsche Freiwillige vorher nicht unbedingt denken, soll unseren Nachfolgern eine Warnung sein :D : Die Jeunes haben natürlich keine Ahnung wie viel Geld diese bunten Bilder wert sind. Man tut also gut daran, ihnen vorher zu erklären, dass man zB. nicht mit den Fingern auf den Werken herum wischen darf, weil man das ein oder andere Detail nicht mag…Ich war am Ende relativ K.O. und die von mir gesuchte Etage war aufgrund von Travaux leider nicht zugänglich. Das schreit nach einem zweiten Besuch!



Das Highlight am Donnerstag war ein tête-à-tête mit einem Lehrer der mir relativ schonend beizubringen versuchte, dass ich doch bitte nicht mehr singen oder pfeifen solle, denn er wäre Musiker. Wir ihr seht, bin ich also noch ganz der alte:D

Heute repose ich mich also erstmal nach einer wie immer schönen aber anstrengenden Woche (Ich frage mich ob sich das mit der Routine irgendwann nochmal verändert?!) und freu mich auf einen Soiree bei Freunden – Hier möchte ich mich einmal bei Taizé bedanken und die Bonni-Fahrt mit Herrn Voget empfehlen! Denn von den Bekanntschaften vieler echter Franzosen profitier ich nicht nur jetzt in Paris. Aber gerade hier haben Marius und ich nun das Glück, oft (in supergeile Häuser) zum Feiern eingeladen zu werden. Gut, mehr fällt mir grad nicht ein und ich bin heut trotz allen Ausruhens etwas in Eile, deshalb mach ich hier mal Schluss!

Also genießt den plötzlich hereingebrochenen Winter auch wenn ihr wie ich eher so die südlichen Typen seid;) Ciao!

Janis

PS:


Verzeiht Mes amis, ich weiß ich nerve bestimmt einige damit, aber ich muss im Moment einfach mal ein bisschen das verbreiten, womit ich mich grad andauernd beschäftige.. Ich hoffe ich werde Ende des Jahres nicht unüberlegt irgendwelche politische Richtungen einschlagen und äh.. relativ objektiv bleiben. - aber wer weiß schon was das nun wieder heißt ? :D

Samstag, 1. Oktober 2011

1/12 des Jahres rum!

„Hallo zusammen“:D Wo anfangen?

Alors..Die letzte Sortie (mit gut 25 Jugendlichen zum Tour Eiffel) war ein voller Erfolg, die Sonne war dabei und alle waren gut drauf! Außerdem wurde ich netterweise von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin unterstützt, weil die Activités mit all ihrer Planung und Bürokratie im Hintergrund oft dann doch stressiger sind als sie scheinen. Insgesamt war es aber ein super Nachmittag der von vielen Fotos und noch mehr deutschen Touristen geprägt war. Natürlich haben wir im Gegensatz zu denen nicht den Aufzug genommen, sondern sind zu Fuß bis zur zweiten Etage hoch – Wir sind ja eher so die Harten ;)

Ansonsten verlief die Woche verhältnismäßig ruhig: Donnerstag hat ein Creperie-Mann von „der anderen Seite“ mich so nett bedient, dass man durchaus von Flirtversuchen sprechen könnte; da er aber alle anderen männlichen Kunden genauso liebenswürdig empfing, fühlte ich mich relativ sicher. Marius meint, das alles sei auf meine neue Frisur zurückzuführen. Außerdem wurden mir an einem Tag von drei verschiedenen Leuten Komplimente wegen eines meiner T-shirts gemacht, das ich persönlich eher als mittelmäßig einstufe (Unter den dreien waren aber auch zwei Frauen, was der Sache insgesamt relativ viel Glaubwürdigkeit verleiht). Warum Paris die Stadt der Mode sein soll, verstehe ich also immer noch nicht...Oder ich verstehe noch viel weniger von Klamotten als ich bis jetzt dachte :) possible. Naja wie dem auch sei, die Hauptattraktion im MJR ist im Moment sowieso eher die neue ehrenamtliche Mathelehrerin, die selbst diejenigen Jeunes, die sonst die Mathe-AG meiden, dazu verleitet sich 2 einhalb Stunden mit Zahlen auseinander zu setzen. Selber Schuld.
Das Thema „Copine“ ist aber generell sehr gefragt und ich werde (halb als Kumpel, halb als Lehrer) sehr oft gefragt wie das mit Küssen, Freundin haben und Heiraten denn bei Christen oder in Deutschland gehandhabt würde..Meine größte Herausforderung diesbezüglich war der Versuch, auf Französisch zu erklären, dass zwei Muslime mit unterschiedlichen religiösen Auffassungen trotzdem gleichwertige Muslime sein können – Jeder in „seiner Welt“. Auf einen gemeinsamen Nenner kamen wir letztendlich erst durch die Feststellung, dass alle diese Welten und Ideologien eine unausweichliche Gemeinsamkeit haben: Keine hat Krieg und Gewalt zum Ziel. „La Guerre c'est un problème dans tous les mondes différents!“. Das wissen die Jeunes aufgrund ihrer Vergangenheit ja viel besser als ich. Trotzdem kommt es natürlich aufgrund der großen Anzahl von Jugendlichen und großen kulturellen Unterschieden manchmal zu kleineren Schlägereien, die dann eine Reunion zum Thema „Toleranz und Respekt“ nach sich ziehen. Gerade in solchen Momenten erlebe ich vor allem die sonst eher stillen Mitarbeiter als super kompetent und einfühlsam und ich bin echt froh, mit so einer guten Truppe zusammen zu arbeiten. Hoffentlich kann ich mir im Verlauf des Jahres noch viel abschauen;) Gleichzeitig weiß ich, wie wenig Geld in Projekte wie dieses, wie viel Geld aber zB in Waffengeschäfte gesteckt wird, und vor allem weil ich betroffene Jugendliche langsam besser kennen lerne und ins Herz schließe, macht mich das von Zeit zu Zeit wütend. Manchmal ist es dann echt schwer sich zu sagen „Alles Gute fängt im Kleinen an und bewirkt doch etwas“. Aber bevor man wirklich zu weinen anfangen kann, fällt im gesamten Haus dann der Strom aus weil irgendjemand beim Druckerpatrone wechseln falsche Anleitungen in der Hand hatte und schon ist man wieder ganz bei der Sache :D..
 
salle de classe
 
Verbes du premier groupe! :D


Bon, jetzt steht erstmal das Weekend vor der Tür und Marius und ich haben heute schon einen fetten Hausputz hingelegt, was mir komischerweise relativ viel Spaß gemacht hat und auch meinem Zimmer ganz gut tat. Natürlich ist weniger der bevorstehende Kurzbesuch von Marius Eltern der Grund für unseren Eifer, als vielmehr unser ausgeprägtes Verantwortungs- und Sauberkeitsbewusstsein (Neologismus?:D). Danach saßen wir wie ein altes Ehepaar in der Sonne auf unserer Feuertreppe zwischen Bahnhof und Flughafen und genossen die Aussicht auf das Häusermeer der Pariser Vororte. Aber mein tüchtiger Mitbewohner hatte eine Blume gekauft und es war romantischer als man annehmen könnte! Richtiges Brot habe ich letzte Woche übrigens auch entdeckt! Und es war gar nicht mal teuer... Und heute Abend werde ich hoffentlich fit genug sein, Ligue 1 zu gucken und danach Paris unsicher zu machen.


Aber gut, die Infos lassen an Qualität langsam nach; ich denke hier ist ein guter Zeitpunkt, Schluss zu machen;) Also Liebe Grüße aus Frankreich an alle die das hier lesen und bis mehr oder weniger bald!

Janis

P.S.:..mein erster Schuhschrank :( ich werde zur Frau..


Samstag, 24. September 2011

cest quoi mes cheveux!

So.. wieder eine Woche rum, wieder ein wenig zu erzählen!
Ich bin mittlerweile wirklich regelmäßig Vertretungslehrer für verschiedene Klassen und unterrichte vorwiegend Kunst und Informatik (Word, Umgang mit dem Internet), immer öfter aber auch FLE (Francais langue etrangere) in zwei verschiedenen Einrichtungen von France Terre D'Asile. Daher wurde meine Tätigkeit als Animateur etwas zurückgefahren, was ich aber auch aktiv mitentschieden habe.


Trotzdem plane ich nächste Woche die ersten sorties mit den Jugendlichen (zB. Besuch des Tour Eiffel, Fahrradtour etc.) und freue mich über die Abwechslung meine Arbeit betreffend. Diese entsteht allerdings oft auch sehr spontan: Dienstag bekam ich die Anweisung vom Chef mit einem Camion vom CAOMIDA verschiedene Regale und Schränke quer durch Paris von einem Foyer zum nächsten zu transportieren. Ich fuhr also morgens anstatt mit dem RER, mit dem Van zur Arbeit - was deutlich langsamer und nervtötender ist, weil die gesamte Périphérique morgens natürlich mit Autos verstopft ist.
Beim Abbiegen, Ein- und Ausladen mitten auf den Boulevards und vor allem in den Kreisverkehren hatte ich anfangs das Gefühl mein Führerschein aus Hilden habe ungefähr genauso viel mit der aktuellen Situation zu tun wie mein Seepferdchenabzeichen, aber ich kam ohne Unfall durch den Tag. Einer meiner französischen Mitarbeiter begleitete mich auf der letzten Strecke weil unser Navi versagte, merkte allerdings erst unterwegs dass er ja aus Toulouse käme und den Weg auch nicht kenne. Da er aber ein super Kerl und einer meiner wenigen männlichen Kollegen ist, habe ich beschlossen nicht zu lachen. :)



Feierabend! ;) (Der Roller gehört leider nicht mir)

Donnerstags gibt es einen festen Termin im Centre Pompidou, wo die jeunes kostenlos mit speziellen Computerprogrammen arbeiten und so individuell ihr Französisch verbessern können. Auch dorthin begleite ich die jeweiligen Klassen, genau wie zu Einschulungstests und in Krankenhäuser. Man könnte sagen, ich bin ein bisschen das Mädchen für alles, und es wäre ein Kompliment. Mit der Polizei von Paris habe ich en revanche diese Woche wieder nur schlechte Erfahrungen gemacht, aber so lange bin ich ja auch noch nicht hier. Ah, und mit dem Friseur hatten Marius und ich ebenfalls jeweils kleine Meinungsverschiedenheiten: Wir kamen beide mit (Fast-)Glatze zurück - Er vom Schwulenfriseur in Marais und ich vom Asifriseur in Boissy..Und das soll die Modehauptstadt sein? Gut, dass uns hier keine Sau kennt, es sieht horrible aus:D

Gerade wurde ich beim Post verfassen vom Feueralarm des Hauses gestört, was Marius und ich natürlich ernst nahmen und woraufhin wir über die Feuertreppe flohen - um unten zu hören "Kommt Fussball gucken, irgendjemand hat wieder geraucht, Moussa (Educ) stellt den Alarm gleich ab"..:D

Was gibt's noch zu sagen?.. Unsere Konten sind finalement eingerichtet und ein AuPairTreffen haben wir auch schon miterlebt.. Außerdem hoffe ich, ab jetzt jeden Samstag genau wie heute Fussball spielen zu gehen um wenigstens ein kleines bisschen Sport zu treiben...Auch ist es nach wie vor nicht einfach für mich meine Kraft einzuteilen, was auch damit zusammen hängt, dass Marius oft super Aktionen plant, bei denen ich nach getaner Arbeit trotzdem noch gerne dabei bin :) schleim schleim
Jetzt wird der leckere (diesmal richtige) Osaft getestet den mein liebster Mitbewohner gekauft hat :D und gemütlich PSG-Montpellier geguckt! Vive le Wohnzimmer ey:D

Liebe Grüße et a bientot,

Jimmy :D

Samstag, 17. September 2011

Menschen mit Locken

Salut!

Witzige Woche hinter mir; ich war Lehrer in Dessins und Französisch und es war saugeil!:D
Ein paar Jungs aus Bangladesh die letzte Woche einen Einschulungstest absolvieren konnten
zu dem ich sie begleitet habe, waren vorher so aufgeregt, dass ich sie mit einer Entspannungstechnik
aus dem Film BadBoys zu beruhigen versuchte, was glaube ich sogar geklappt hat ;)
Das MJR (Maison du Jeune Réfugié, meine Arbeitsstelle) bekommt zur Zeit immer weniger Beistand durch
den Staat, dafür aber immer mehr Unterstützung durch ehrenamtliche Mitarbeiter jeden Alters, was mich gefreut aber ehrlich gesagt auch überrascht hat. Aber tant mieux wenn es viele solcher hilfsbereiten Menschen gibt, die vor allem keine Bedenken bei den Worten "Afghanen und Pakistani" haben - Leider ist die MetroSécurité da etwas anders drauf. Aber auch die versucht ja auch nur ihren Job gut zu machen.. Hoffe ich zumindest :)



Gestern (Freitag) stand der Besuch eines kleinen Marktes an der Seine auf Marius' und meinem spontanen Programm. Danach war es super, einfach ohne Zeitdruck am Ufer rumzusitzen und sich zu unterhalten; Yorick kam dazu um uns abzufüllen und dann hatten wir die geniale Idee, im überfüllten und lebendigen St.Germain bei einem mittelmäßigem Italiener (der nur spanisch und französisch konnte, dafür aber PSG-Fan war) zu Abend zu essen. Das mit dem Kochen hat sich mittlerweile noch nicht so ganz durchgesetzt, aber wir arbeiten dran.

Die erste volle Arbeitswoche verbrachten wir außerdem vor allem mit Tee trinken, da unsere netten Körper uns eine größtenteils selbstverschuldete Überarbeitung freundlicherweise mit Krankheitserscheinungen dankten. :) Marius hatte es doppelt schwer, da er mein Räuspern nicht als Räuspern sondern als Sterbegeräusch eines 180-Jährigen identifizierte. Der Prozess der Heilung wurde nur geringfügig durch eine einfühlsame Angestellte des CAOMIDA behindert, die uns mit ihrer zuvorkommenden Art (@Lukas+Christoph: wir wissen jetzt was ihr meint:)) drei Mal zu französischen Banken+Metrostationen in Boissy und anderen Orten schickte, damit wir vor Schildern wie "Kurze Pause - bin sofort zurück" 1 Stunde auf Mitarbeiter warten konnten, die uns dann  nicht viel mehr zu sagen hatten, als das was wir schon wussten - Eine harte Zerreißprobe für Marius' Geduldsfaden! Fetten Respekt liebster Mitbewohner :D

Zudem entwickelt der Herr sich mehr und mehr zur klassischen Hausfrau (Morgens Spülen wenn der Mann schon zur Arbeit geht, nachmittags die nötigen Einkäufe tätigen) und kommentierte meine diesbezügliche Äußerung einzig mit dem Satz "Man sagt ja auch, Menschen mit Locken seien die besseren Menschen". Ob ich jemals wieder eine so gute WG bewohnen werde, steht in den Sternen:D
Wie auch immer, wir sind genesen und es stehen ein Fussballturnier und ein Theaterbesuch vor der Tür !

Zwischendurch denke ich auch ab und zu an Deutschland, ob man's glaubt oder nicht ;)

A+ mes amis 

Sonntag, 11. September 2011

Une semaine après :

Bonsoir a toutes et a tous!

Nachdem ich nun gefühlt einen Monat, in Wirklichkeit aber erst eine Woche in Paris lebe, konnte ich auch "endlich" mit der Arbeit anfangen - Obwohl ich die ersten freien Tage sehr genossen habe und auch jetzt noch mindestens ein-, oft zweimal am Tag ins Centre fahre, wollte ich unbedingt zum rentrée ebenfalls damit anfangen, einen durch Arbeitszeiten etwas geregelteren Alltag zu haben. Vielleicht gibt mit das erst das Gefühl, kein Tourist zu sein (Es stimmt wirklich, dass es irgendwie ein bisschen stört, in der Metro auf einmal Schwaben neben sich zu hören, wenn man eigentlich gerade die einmalige Atmosphäre von Paris auf sich wirken lassen will), vielleicht habe ich aber auch einfach gespürt, dass die Arbeit extrem spannend werden würde! :D
Ich habe also anders als meine Vorgänge beschlossen, direkt beim MJR anzufangen (der Anlaufstelle+Ecole für Flüchtlinge, die noch keine Asylanträge gestellt haben), anstatt erst einen Monat im CAOMIDA (unser zu Hause, in dem diejenigen Jugendlichen wohnen, die schon Asyl beantragen konnten und eine relativ sichere Zukunft in Frankreich vor sich haben) zusammen mit Marius für die Animation zu sorgen. Mittwoch fuhr ich daher rauf nach Montmartre zu meiner neuen Arbeitsstelle und lernte meine Chefs+Kollegen kennen, die alle supernett, relativ jung und sehr erfreut sind, dass ich so schnell vorbeischauen konnte. Donnerstag und Freitag habe ich dann direkt damit angefangen, mich umzuschauen und einzuarbeiten.. Ich werde allerdings noch ein, zwei Wochen brauchen, bis ich das Meiste durchblicke. Meine Aufgaben bestehen hauptsächlich darin, "AGs" für die Jeunes zu organisieren, sie zu Ämtern+Ärzten zu begleiten und Unterricht zu übernehmen, falls es zu Lehrerausfällen kommt (was in Frankreich aufgrund des Überstundenausgleichs "RTT" nicht unüblich ist). Super Sache, da ich ja eventuell auf Lehramt studieren möchte und so schonmal ein bisschen "vorkosten" kann - Problematischer is da die Sache mit dem Französisch: Mein Niveau die alltäglichen Unterhaltungen berteffend, entspricht ungefähr dem der Flüchtlinge, was inhaltlich noch keine sehr spannenden Gespräche erlaubt. Andererseits sage ich mir immer wieder, dass es interessant ist zu erleben, wieviel man auch ohne Sprache vermitteln und verstehen kann..und zumindest dieses Problem wird so oder so während des Jahres verschwinden je crois:)
Außerdem gibt es genug andere Dinge die mir das Gefühl geben, mit dem FSJ genau das Richtige gewählt zu haben - Obwohl ich natürlich vorbereitet worden bin und wusste, dass mich andere Kulturen, mir fremde Weltbilder und Lebensläufe erwarten würden, erlebe ich teilweise auf schockierende und interessante Weise zugleich Situationen in denen ich mir meiner eigenen Subjektivität (und Privilegien) erst wirklich bewusst werde.. Plus eine Flasche Wein und es kommen oft hochphilosophische Fragen über Gott und die Welt zustande, die ich (wenn nicht gerade mit Marius) dann mit mir selbst, voire meinem Tagebuch ausdiskutiere.
Nach einer Woche merke ich also auf jeden Fall, dass ich in diesem Jahr noch unglaublich viel lernen kann und will. Und was ich jetzt schon weiß ist, dass ich jeden der beim Militär anfangen will, sehr belästigen werde:D

En plus profitier ich natürlich enorm von der Stadt und es ist wirklich ein Traum für mich hier zu leben. Oft fahr ich abends nochmal los, um in Bars Fussball zu gucken oder einfach an Orten die mir gefallen Kaffee zu trinken und zu lesen, da ich als Besitzer des "passe navigo" keine Gedanken an die Fahrtkosten verschwenden muss. Samstag haben Marius und ich die (zumindest von mir) schon seit geraumer Zeit geplante Shoppingtour wirklich gewagt und waren danach gut k.o. aber zufrieden. Abends habe ich dann zum ersten Mal seit langem einige Freunde aus Taizé wiedergesehen und Marius und ich haben dadurch auch Kontakt zu waschechten Parisern in unserem Alter, was uns sicherlich noch des öfteren helfen+freuen wird :) Grad gings noch kurz ab in die Stadt um den dritten volontaire allemand unserer Organisation zu treffen und PSG-Brest schauen:)

Viel mehr Blog-Stoff fällt mir gerade nicht ein, ausser vielleicht, dass Marius jedes Mal wenn unser Internet ausfällt, den aufgestauten Frust des Tages herauslässt und die Franzosen bei all ihrer Liebenswürdigkeit dabei nicht immer gut wegkommen - Beim Thema Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Verhalten im Straßenverkehr oder Arbeitsphilosophie in Handyläden handelt es sich nicht immer nur Clichés, obwohl ich für meinen Teil sehr froh bin, Deutschland und seinen Eigenheiten da für ein Jahr zu entkommen ;)

Alors, Liebe Grüße an alle und ein fettes Vive l'Internet an dieser Stelle, das mir erlaubt Kontakt zu halten und zu bloggen!

A tres vite!

JAVIER PASTORE!!


Sartre II


SFR + Marius = <3

Freitag, 2. September 2011

On y est!

Wir sind da!:D



Nach knapp 4 Stunden im Thalys standen Marius und ich (+ 2 Gitarren und 3 Koffer) am Bahnsteig des Gare du Nord und nach den 50 Metern zum Taxistand bei ca 30°C hätten wir jeden Preis gezahlt den uns die Fahrerin genannt hätte, damit wir nicht noch in die Metro steigen mussten.
Letztendlich war es aber gar nicht so teuer und wir wurden von der charmanten Dame auch noch für Norweger gehalten, was zumindest Marius als Kompliment auffasste. Die Pariser Fahrkünste waren durch die Anwesenheit einer Frau am Steuer halbwegs erklärt und wir kamen trotzdem heil in Boissy Saint-Léger an, wo wir von den Jugendlichen sowie von den MitarbeiterInnen sofort superfreundlich empfangen wurden. Der Chef höchstpersönlich bestand darauf, Marius Koffer ins oberste Stockwerk zu tragen, was er spätestens nach 2 Stufen bereut haben musste aber ganz Gentleman bis zum Ende durchzog. Mit der Völkerverständigung begannen wir also sofort, und nachdem wir unsere Zimmer eingerichtet und kurz lang geduscht hatten, fanden wir sogar noch Zeit um die nötigsten Dinge (Kuchen etc.) im nahegelegenen Supermarkt zu kaufen. Das mit der Gemeinschaftskasse überleg ich mir aber nochmal denn ohne mich hätten wir 100 statt 20 Euro ausgegeben, weil Marius sich auf Anhieb in die Regale verliebt hat.




Ausblick von der Feuertreppe/dem Balkon :)


Mein Zimmer

Mein Zimmer 2.0

 



La region allemande +rosa Türen 8)
 
Beim Abendessen mit den Jugendlichen+Mitarbeitern haben wir direkt Pläne für morgen gemacht (bestehend aus einem erstem Parisbesuch, Fussball  und einer kleinen Feier) . Unser Französisch war gefühlt ziemlich grottig und wir stehen immer noch jedes Mal nebeneinander an unseren Zimmertüren und probieren 5 Minuten lang alle Schlüssel durch, aber hey es ist der erste Tag! Und das Beste war, dass ich kaum Zeit hatte an die Abschiede gestern zu denken..


Jetzt sitzen wir im Wohnzimmer, chillen und kämpfen mit dem TV (France-Albanie). Gerade höre ich wie Marius Dad Skype beschimpft und frage mich ob sich meine Eltern wohl bald ebenfalls damit herumschlagen werden.
@Mama: Äpfel haben wir übrigens auch gekauft! :)

Bilanz nach den ersten paar Stunden als Parisien ist also durchweg positiv und ich freu mich auf die nächste Woche in der wir wohl noch frei haben werden und uns um Konten, Handykarten u.ä. kümmern werden.
Lasst uns alle hoffen, dass ich jede Woche so motiviert blogge und lest euch auch Marius Blog durch damit ihr im Vergleich die ganze Wahrheit erfahrt!

In diesem Sinne, verzeiht mir Grammatikfehler und Sonstiges (bin relativ K.O.) et a très bientot !

Jean :)