Samstag, 24. September 2011

cest quoi mes cheveux!

So.. wieder eine Woche rum, wieder ein wenig zu erzählen!
Ich bin mittlerweile wirklich regelmäßig Vertretungslehrer für verschiedene Klassen und unterrichte vorwiegend Kunst und Informatik (Word, Umgang mit dem Internet), immer öfter aber auch FLE (Francais langue etrangere) in zwei verschiedenen Einrichtungen von France Terre D'Asile. Daher wurde meine Tätigkeit als Animateur etwas zurückgefahren, was ich aber auch aktiv mitentschieden habe.


Trotzdem plane ich nächste Woche die ersten sorties mit den Jugendlichen (zB. Besuch des Tour Eiffel, Fahrradtour etc.) und freue mich über die Abwechslung meine Arbeit betreffend. Diese entsteht allerdings oft auch sehr spontan: Dienstag bekam ich die Anweisung vom Chef mit einem Camion vom CAOMIDA verschiedene Regale und Schränke quer durch Paris von einem Foyer zum nächsten zu transportieren. Ich fuhr also morgens anstatt mit dem RER, mit dem Van zur Arbeit - was deutlich langsamer und nervtötender ist, weil die gesamte Périphérique morgens natürlich mit Autos verstopft ist.
Beim Abbiegen, Ein- und Ausladen mitten auf den Boulevards und vor allem in den Kreisverkehren hatte ich anfangs das Gefühl mein Führerschein aus Hilden habe ungefähr genauso viel mit der aktuellen Situation zu tun wie mein Seepferdchenabzeichen, aber ich kam ohne Unfall durch den Tag. Einer meiner französischen Mitarbeiter begleitete mich auf der letzten Strecke weil unser Navi versagte, merkte allerdings erst unterwegs dass er ja aus Toulouse käme und den Weg auch nicht kenne. Da er aber ein super Kerl und einer meiner wenigen männlichen Kollegen ist, habe ich beschlossen nicht zu lachen. :)



Feierabend! ;) (Der Roller gehört leider nicht mir)

Donnerstags gibt es einen festen Termin im Centre Pompidou, wo die jeunes kostenlos mit speziellen Computerprogrammen arbeiten und so individuell ihr Französisch verbessern können. Auch dorthin begleite ich die jeweiligen Klassen, genau wie zu Einschulungstests und in Krankenhäuser. Man könnte sagen, ich bin ein bisschen das Mädchen für alles, und es wäre ein Kompliment. Mit der Polizei von Paris habe ich en revanche diese Woche wieder nur schlechte Erfahrungen gemacht, aber so lange bin ich ja auch noch nicht hier. Ah, und mit dem Friseur hatten Marius und ich ebenfalls jeweils kleine Meinungsverschiedenheiten: Wir kamen beide mit (Fast-)Glatze zurück - Er vom Schwulenfriseur in Marais und ich vom Asifriseur in Boissy..Und das soll die Modehauptstadt sein? Gut, dass uns hier keine Sau kennt, es sieht horrible aus:D

Gerade wurde ich beim Post verfassen vom Feueralarm des Hauses gestört, was Marius und ich natürlich ernst nahmen und woraufhin wir über die Feuertreppe flohen - um unten zu hören "Kommt Fussball gucken, irgendjemand hat wieder geraucht, Moussa (Educ) stellt den Alarm gleich ab"..:D

Was gibt's noch zu sagen?.. Unsere Konten sind finalement eingerichtet und ein AuPairTreffen haben wir auch schon miterlebt.. Außerdem hoffe ich, ab jetzt jeden Samstag genau wie heute Fussball spielen zu gehen um wenigstens ein kleines bisschen Sport zu treiben...Auch ist es nach wie vor nicht einfach für mich meine Kraft einzuteilen, was auch damit zusammen hängt, dass Marius oft super Aktionen plant, bei denen ich nach getaner Arbeit trotzdem noch gerne dabei bin :) schleim schleim
Jetzt wird der leckere (diesmal richtige) Osaft getestet den mein liebster Mitbewohner gekauft hat :D und gemütlich PSG-Montpellier geguckt! Vive le Wohnzimmer ey:D

Liebe Grüße et a bientot,

Jimmy :D

Samstag, 17. September 2011

Menschen mit Locken

Salut!

Witzige Woche hinter mir; ich war Lehrer in Dessins und Französisch und es war saugeil!:D
Ein paar Jungs aus Bangladesh die letzte Woche einen Einschulungstest absolvieren konnten
zu dem ich sie begleitet habe, waren vorher so aufgeregt, dass ich sie mit einer Entspannungstechnik
aus dem Film BadBoys zu beruhigen versuchte, was glaube ich sogar geklappt hat ;)
Das MJR (Maison du Jeune Réfugié, meine Arbeitsstelle) bekommt zur Zeit immer weniger Beistand durch
den Staat, dafür aber immer mehr Unterstützung durch ehrenamtliche Mitarbeiter jeden Alters, was mich gefreut aber ehrlich gesagt auch überrascht hat. Aber tant mieux wenn es viele solcher hilfsbereiten Menschen gibt, die vor allem keine Bedenken bei den Worten "Afghanen und Pakistani" haben - Leider ist die MetroSécurité da etwas anders drauf. Aber auch die versucht ja auch nur ihren Job gut zu machen.. Hoffe ich zumindest :)



Gestern (Freitag) stand der Besuch eines kleinen Marktes an der Seine auf Marius' und meinem spontanen Programm. Danach war es super, einfach ohne Zeitdruck am Ufer rumzusitzen und sich zu unterhalten; Yorick kam dazu um uns abzufüllen und dann hatten wir die geniale Idee, im überfüllten und lebendigen St.Germain bei einem mittelmäßigem Italiener (der nur spanisch und französisch konnte, dafür aber PSG-Fan war) zu Abend zu essen. Das mit dem Kochen hat sich mittlerweile noch nicht so ganz durchgesetzt, aber wir arbeiten dran.

Die erste volle Arbeitswoche verbrachten wir außerdem vor allem mit Tee trinken, da unsere netten Körper uns eine größtenteils selbstverschuldete Überarbeitung freundlicherweise mit Krankheitserscheinungen dankten. :) Marius hatte es doppelt schwer, da er mein Räuspern nicht als Räuspern sondern als Sterbegeräusch eines 180-Jährigen identifizierte. Der Prozess der Heilung wurde nur geringfügig durch eine einfühlsame Angestellte des CAOMIDA behindert, die uns mit ihrer zuvorkommenden Art (@Lukas+Christoph: wir wissen jetzt was ihr meint:)) drei Mal zu französischen Banken+Metrostationen in Boissy und anderen Orten schickte, damit wir vor Schildern wie "Kurze Pause - bin sofort zurück" 1 Stunde auf Mitarbeiter warten konnten, die uns dann  nicht viel mehr zu sagen hatten, als das was wir schon wussten - Eine harte Zerreißprobe für Marius' Geduldsfaden! Fetten Respekt liebster Mitbewohner :D

Zudem entwickelt der Herr sich mehr und mehr zur klassischen Hausfrau (Morgens Spülen wenn der Mann schon zur Arbeit geht, nachmittags die nötigen Einkäufe tätigen) und kommentierte meine diesbezügliche Äußerung einzig mit dem Satz "Man sagt ja auch, Menschen mit Locken seien die besseren Menschen". Ob ich jemals wieder eine so gute WG bewohnen werde, steht in den Sternen:D
Wie auch immer, wir sind genesen und es stehen ein Fussballturnier und ein Theaterbesuch vor der Tür !

Zwischendurch denke ich auch ab und zu an Deutschland, ob man's glaubt oder nicht ;)

A+ mes amis 

Sonntag, 11. September 2011

Une semaine après :

Bonsoir a toutes et a tous!

Nachdem ich nun gefühlt einen Monat, in Wirklichkeit aber erst eine Woche in Paris lebe, konnte ich auch "endlich" mit der Arbeit anfangen - Obwohl ich die ersten freien Tage sehr genossen habe und auch jetzt noch mindestens ein-, oft zweimal am Tag ins Centre fahre, wollte ich unbedingt zum rentrée ebenfalls damit anfangen, einen durch Arbeitszeiten etwas geregelteren Alltag zu haben. Vielleicht gibt mit das erst das Gefühl, kein Tourist zu sein (Es stimmt wirklich, dass es irgendwie ein bisschen stört, in der Metro auf einmal Schwaben neben sich zu hören, wenn man eigentlich gerade die einmalige Atmosphäre von Paris auf sich wirken lassen will), vielleicht habe ich aber auch einfach gespürt, dass die Arbeit extrem spannend werden würde! :D
Ich habe also anders als meine Vorgänge beschlossen, direkt beim MJR anzufangen (der Anlaufstelle+Ecole für Flüchtlinge, die noch keine Asylanträge gestellt haben), anstatt erst einen Monat im CAOMIDA (unser zu Hause, in dem diejenigen Jugendlichen wohnen, die schon Asyl beantragen konnten und eine relativ sichere Zukunft in Frankreich vor sich haben) zusammen mit Marius für die Animation zu sorgen. Mittwoch fuhr ich daher rauf nach Montmartre zu meiner neuen Arbeitsstelle und lernte meine Chefs+Kollegen kennen, die alle supernett, relativ jung und sehr erfreut sind, dass ich so schnell vorbeischauen konnte. Donnerstag und Freitag habe ich dann direkt damit angefangen, mich umzuschauen und einzuarbeiten.. Ich werde allerdings noch ein, zwei Wochen brauchen, bis ich das Meiste durchblicke. Meine Aufgaben bestehen hauptsächlich darin, "AGs" für die Jeunes zu organisieren, sie zu Ämtern+Ärzten zu begleiten und Unterricht zu übernehmen, falls es zu Lehrerausfällen kommt (was in Frankreich aufgrund des Überstundenausgleichs "RTT" nicht unüblich ist). Super Sache, da ich ja eventuell auf Lehramt studieren möchte und so schonmal ein bisschen "vorkosten" kann - Problematischer is da die Sache mit dem Französisch: Mein Niveau die alltäglichen Unterhaltungen berteffend, entspricht ungefähr dem der Flüchtlinge, was inhaltlich noch keine sehr spannenden Gespräche erlaubt. Andererseits sage ich mir immer wieder, dass es interessant ist zu erleben, wieviel man auch ohne Sprache vermitteln und verstehen kann..und zumindest dieses Problem wird so oder so während des Jahres verschwinden je crois:)
Außerdem gibt es genug andere Dinge die mir das Gefühl geben, mit dem FSJ genau das Richtige gewählt zu haben - Obwohl ich natürlich vorbereitet worden bin und wusste, dass mich andere Kulturen, mir fremde Weltbilder und Lebensläufe erwarten würden, erlebe ich teilweise auf schockierende und interessante Weise zugleich Situationen in denen ich mir meiner eigenen Subjektivität (und Privilegien) erst wirklich bewusst werde.. Plus eine Flasche Wein und es kommen oft hochphilosophische Fragen über Gott und die Welt zustande, die ich (wenn nicht gerade mit Marius) dann mit mir selbst, voire meinem Tagebuch ausdiskutiere.
Nach einer Woche merke ich also auf jeden Fall, dass ich in diesem Jahr noch unglaublich viel lernen kann und will. Und was ich jetzt schon weiß ist, dass ich jeden der beim Militär anfangen will, sehr belästigen werde:D

En plus profitier ich natürlich enorm von der Stadt und es ist wirklich ein Traum für mich hier zu leben. Oft fahr ich abends nochmal los, um in Bars Fussball zu gucken oder einfach an Orten die mir gefallen Kaffee zu trinken und zu lesen, da ich als Besitzer des "passe navigo" keine Gedanken an die Fahrtkosten verschwenden muss. Samstag haben Marius und ich die (zumindest von mir) schon seit geraumer Zeit geplante Shoppingtour wirklich gewagt und waren danach gut k.o. aber zufrieden. Abends habe ich dann zum ersten Mal seit langem einige Freunde aus Taizé wiedergesehen und Marius und ich haben dadurch auch Kontakt zu waschechten Parisern in unserem Alter, was uns sicherlich noch des öfteren helfen+freuen wird :) Grad gings noch kurz ab in die Stadt um den dritten volontaire allemand unserer Organisation zu treffen und PSG-Brest schauen:)

Viel mehr Blog-Stoff fällt mir gerade nicht ein, ausser vielleicht, dass Marius jedes Mal wenn unser Internet ausfällt, den aufgestauten Frust des Tages herauslässt und die Franzosen bei all ihrer Liebenswürdigkeit dabei nicht immer gut wegkommen - Beim Thema Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Verhalten im Straßenverkehr oder Arbeitsphilosophie in Handyläden handelt es sich nicht immer nur Clichés, obwohl ich für meinen Teil sehr froh bin, Deutschland und seinen Eigenheiten da für ein Jahr zu entkommen ;)

Alors, Liebe Grüße an alle und ein fettes Vive l'Internet an dieser Stelle, das mir erlaubt Kontakt zu halten und zu bloggen!

A tres vite!

JAVIER PASTORE!!


Sartre II


SFR + Marius = <3

Freitag, 2. September 2011

On y est!

Wir sind da!:D



Nach knapp 4 Stunden im Thalys standen Marius und ich (+ 2 Gitarren und 3 Koffer) am Bahnsteig des Gare du Nord und nach den 50 Metern zum Taxistand bei ca 30°C hätten wir jeden Preis gezahlt den uns die Fahrerin genannt hätte, damit wir nicht noch in die Metro steigen mussten.
Letztendlich war es aber gar nicht so teuer und wir wurden von der charmanten Dame auch noch für Norweger gehalten, was zumindest Marius als Kompliment auffasste. Die Pariser Fahrkünste waren durch die Anwesenheit einer Frau am Steuer halbwegs erklärt und wir kamen trotzdem heil in Boissy Saint-Léger an, wo wir von den Jugendlichen sowie von den MitarbeiterInnen sofort superfreundlich empfangen wurden. Der Chef höchstpersönlich bestand darauf, Marius Koffer ins oberste Stockwerk zu tragen, was er spätestens nach 2 Stufen bereut haben musste aber ganz Gentleman bis zum Ende durchzog. Mit der Völkerverständigung begannen wir also sofort, und nachdem wir unsere Zimmer eingerichtet und kurz lang geduscht hatten, fanden wir sogar noch Zeit um die nötigsten Dinge (Kuchen etc.) im nahegelegenen Supermarkt zu kaufen. Das mit der Gemeinschaftskasse überleg ich mir aber nochmal denn ohne mich hätten wir 100 statt 20 Euro ausgegeben, weil Marius sich auf Anhieb in die Regale verliebt hat.




Ausblick von der Feuertreppe/dem Balkon :)


Mein Zimmer

Mein Zimmer 2.0

 



La region allemande +rosa Türen 8)
 
Beim Abendessen mit den Jugendlichen+Mitarbeitern haben wir direkt Pläne für morgen gemacht (bestehend aus einem erstem Parisbesuch, Fussball  und einer kleinen Feier) . Unser Französisch war gefühlt ziemlich grottig und wir stehen immer noch jedes Mal nebeneinander an unseren Zimmertüren und probieren 5 Minuten lang alle Schlüssel durch, aber hey es ist der erste Tag! Und das Beste war, dass ich kaum Zeit hatte an die Abschiede gestern zu denken..


Jetzt sitzen wir im Wohnzimmer, chillen und kämpfen mit dem TV (France-Albanie). Gerade höre ich wie Marius Dad Skype beschimpft und frage mich ob sich meine Eltern wohl bald ebenfalls damit herumschlagen werden.
@Mama: Äpfel haben wir übrigens auch gekauft! :)

Bilanz nach den ersten paar Stunden als Parisien ist also durchweg positiv und ich freu mich auf die nächste Woche in der wir wohl noch frei haben werden und uns um Konten, Handykarten u.ä. kümmern werden.
Lasst uns alle hoffen, dass ich jede Woche so motiviert blogge und lest euch auch Marius Blog durch damit ihr im Vergleich die ganze Wahrheit erfahrt!

In diesem Sinne, verzeiht mir Grammatikfehler und Sonstiges (bin relativ K.O.) et a très bientot !

Jean :)