Sonntag, 15. April 2012

"Alter, versteck schnell das Spielzeug"

16h16 Ortszeit Paris (Boissy klingt so unspektakulär), die neue Kirschmarmelade schmeckt, "die ärzte" ballern aus den Wackelkontaktboxen und ich hab schon total Bock auf Wäsche waschen :)
An diesem Sonntag habe ich mit extremer Gemütlichkeit gefrühstückt und es ist einer der seltenen Tage an denen ich ausschlafen kann ohne den Wecker zu stellen! Das hat natürlich alles seine Gründe, die ich zugegebner Maßen hier wieder einmal mit Verspätung auflisten werde, désolé.


Ich fange mal nicht chronologisch an: Marius ist seit gestern (gestern morgen (!) um die Atmosphäre besser rüberzubringen) auf einer Freizeitfahrt mit einigen Jugendlichen aus dem CAOMIDA und kommt erst in einer Woche wieder. Ich habe also sozusagen sturmfrei! Eigentlich aber eine traurige Sache, denn wie wir vor ein paar Tagen mathematisch festgestellt haben, bleibt uns von den letzten 3 einhalb Monaten in Boissy echt nur noch wenig gemeiname Zeit, denn Urlaube stehen ja auch noch an! Deshalb haben wir auch relativ spontan und pleite zugestimmt, als uns von einer Freundin vorgeschlagen wurde, das Osterwochenende gemeinsam mit ihrer Mum in "La Rochelle" (eine Hafenstadt im Westen Frankreichs) zu verbringen. Konditionen: 1 Haus nicht weit vom Meer, mittelgutes Wetter in einer schönen Kleinstadt, saugutes Eis und generell leckeres französisches Essen. - Und ein ca 1-Jähriges Kind, auf das es aufzupassen gilt. Marius und ich stießen dabei trotz allen Spaßes den wir beim Fussball, Kinderwagenrennen fahren und Ukulele spielen hatten, deutlich an unsere Grenzen, und das nicht nur morgens wenn unser neuer Kumpel uns mit gewollt undeutlichen Kommandos aufweckte. Mir wurde zum ersten Mal wirklich bewusst, was meine Eltern mit 4 Kindern teilweise hatten durchmachen müssen! Chapeau an dieser Stelle!:D Da aber ja auch zwei erfahrenere Menschen mit dabei waren, hatten die zwei Deutschen genug Zeit um die Straßen einer nicht weit entfernten Insel mit einem Tandem (dessen Gangschaltung sehr französisch war) unsicher zu machen. Insgesamt war es ein sehr gelungenes Osterwochenende, das es wert war, die Woche danach etwas müder zur Arbeit zu gehen. Gehen ist allerdings das falsche Wort, denn seit einem Monat habe ich mir einen Velib-Pass zugelegt – das heißt ich kann endlich nachdem ich den RER verlassen habe anstatt mit Metro oder Bus mit dem Fahrrad zum MJR fahren! Wie genial das in Paris im Sommer auf den riesigen Boulevards ist, kann man kaum beschreiben aber wer mich kennt weiß wie happy ich jetzt bin:D




Die Arbeit wird durch das immer besser werdende Wetter immer leichter, die Jungs sind nicht mehr gezwungen, Abends in den Aufenthaltsräumen aufeinander zu hocken, dementsprechend gibt's weniger Möglichkeiten sich gegenseitig auf den Wecker zu gehen. Auch die sorties zum Fussball etc. machen bei Sonnenschein mehr Spaß und als ein Freund aus Deutschland hier war, war sogar so gutes Wetter, dass wir unseren Boissy'schen Balkon zum Sonnenbaden benutzen konnten. Einmal alle zwei Wochen gehört seit einiger Zeit auch das "Bei Baguette, Käse und Wein an der Seine sitzen" zum Freizeit-Repertoire :) Genau wie man es sich seinerzeit vorgestellt hat als man die Bewerbung für das FSJ-Jahr ausgefüllt hat! Und die EM kommt ja erst noch.


Eine kleine aber gravierende Veränderung hat es aber seit Ostern ebenfalls gegeben: Zumindest in meiner Gefühlswelt zeigt sich schon immer öfter der bevorstehende Abschied. Ich beschäftige mich natürlich noch kein bisschen mit dem wirklichen Hintermirlassen des Parisjahres, aber bis vor kurzem war mir aufgrund der Länge von 12 Monaten noch überhaupt nicht der kleinste Gedanke daran gekommen, dass es ja auch ein Ende geben muss. Das hat sich durch die Urlaubsplanungen (bei denen sich der Kalender zwangsläufig einmischt) ergeben, und auch dadurch, dass unsere Nachfolger heute bereits feststehen! Ein komisches Gefühl und traurig vor allem auch dann, wenn ich daran denke, den Jugendlichen adieu sagen zu müssen. Mittlerweile sind diese mir nämlich echt sehr ans Herz gewachsen. Aber noch ist es ja auch nicht ganz so weit!


Allé, ich habe wie gesagt ein wichtiges rendezvous mit der Waschmaschine, deshalb hänge ich noch einige Fotos dran und beende den kleinen Eintrag hiermit denn gleich fangen auch schon die ersten Ligue1-Spiele an! Man könnte sagen, mir geht es richtig gut. ey.


In Schlafanzug,

MacMüller :D