Freitag, 20. Januar 2012

Wenn der liebe Gott sich im Himmel langweilt, dann öffnet er das Fenster und betrachtet die Boulevards von Paris. - Heinrich

Salut Mesdames, Messieurs!

Es ist soweit, das Comeback des Blogs hat zwar lange auf sich warten lassen, aber voilà:
Anstatt Ausreden und Entschuldigungen aufzulisten, verwende ich meine Energie einfach mal darauf, ein möglichst übersichtliches résumé der letzten Zeit zu verfassen.
Wo anfangen? Weihnachten.
Am heiligen 24. sind Marius und ich zusammen mit Caro (einer FSJlerin aus Montpellier) teuer essen gegangen und ich durfte beim Etikettlesen und Vorkosten so tun, als sei ich ein echter Weinkenner. Da wir letztendlich nicht wie erhofft mit unseren gesammelten tickets restau bezahlen konnten, kam dem Wein insofern eine umso wichtigere Rolle zu, als dass wir beim Zahlen der üppigen Rechnung die gute Laune beibehielten. Als dann später am Abend Laura (eine weitere Montpellier-FSJlerin) in Paris ankam, war die Noel-Truppe komplett und es wurde gemütlich in Boissy bei leckeren Getränken, Keksen und Bratäpfeln UND dem super Tannenbaum, den Marius und ich in weiser Voraussicht schon Mitte November gekauft hatten Weihnachten gefeiert.

Auf einen extremst ausgebuchten aber dennoch schönen Kurztrip in die Heimat, folgte dann das eher ruhige Pariser Silvester – ohne jedes Feuerwerk, dafür aber mit einer guten Mischung von deutschen und französischen Freunden. Diese ersten längeren Ferien inklusive des ersten Deutschlandbesuches haben auf jeden Fall noch einmal Schwung und Leidenschaft in mein Parisjahr gebracht: Als ich zuerst in Düsseldorf und dann in Hilden ankam, habe ich mich einerseits total gefreut, wieder zu Hause zu sein – Straßen, die man blind erkennt, erzeugen in einem wirklich ein besonderes Gefühl. Andererseits wurde mir schon nach kurzer Zeit bewusst, wie sehr ich Paris auch schon als "zu Hause" wahrnehme, vor allem natürlich weil es sich um die erste "eigene" Wohnung handelt. Ich war also froh, noch ein anderes, vielleicht eigeneres Leben zu haben und die Rückfahrt war dann so gut wie nur von Vorfreude geprägt.
Bezüglich meiner Arbeit gibt es auch einige Neuigkeiten und Veränderungen zu berichten.
Wie bei France Terre d'Asile wohl üblich, findet halbjährig eine große Neugestaltung der "équipes éducatifs" statt. Das heißt, dass ein Großteil meiner Mitarbeiter (teilweise leider im Streit mit dem Chef und darunter auch einige, die ich sehr mochte) seit Weihnachten nicht mehr da ist. Dafür sind neue nette Kollegen da, mit denen zusammen es jetzt neue Regelungen und Ziele zu verwirklichen gilt. Mitten im Wirbel der Neuorganisierung verschiedener Aufgabenbereiche wurde ich gefragt, was ich davon hielte teilweise abends und jeden zweiten Samstag in einem Foyer (dem CAOMIDA ähnlich) als Educ und Animateur zu arbeiten. Ich willigte ein und bin bis jetzt sehr zufrieden, denn die Möglichkeit, in verschiedenen Bereichen arbeiten zu können macht mein Jahr hier nur noch ereignisreicher und spannender. Jeden Dienstag und Donnerstag kann ich also jetzt ausschlafen und fahre erst um 12 Uhr zum MJR in Montmartre, um dort wie vorher Lehrervertretungen und anderes zu übernehmen. Abends fahre ich dann mit immer wechselnden Educs zum AMIE (dem anderen Foyer mitten in Paris centre) um mich dort mit Hausaufgabenhilfe, Animation und Dingen die nunmal in einer Art Internat so anfallen zu beschäftigen. Jeden zweiten Samstag bin ich außerdem den ganzen Tag im AMIE und organisiere oder begleite größere sorties etc.. Ein weiterer Vorteil ist dabei, dass ich jetzt jeden Montag komplett frei habe und somit mehr Freizeit mit Marius teile, was sich bestimmt nur positiv auf unser WG-Leben auswirkt :) (Nebeninfo für Interessierte: Fifa12 wurde gekauft)
Was mir beim Angebot des Stellenwechsels nicht gesagt wurde: Ich kann mir an den Tagen die ich im AMIE arbeite kein RTT (Überstundenausgleich, also einen freien Tag) nehmen. Dass ich schon Bahntickets für bestimmte Wochenenden gekauft habe, erschwert nun die Organisation, wobei mir die Verantwortlichen letztendlich bis jetzt aber immer entgegenkommen konnten (und mussten). Jetzt im Moment ist dieses kleine Missverständnis für mich kein Problem, weil ich wie gesagt Spaß daran habe den Arbeitsrythmus und -bereich etwas zu wechseln. Wäre ich jedoch ein fest Angestellter, hätten mich verschiedene kleine fehlende Informationen und die vorher relativ schlecht erklärten Umstände meiner jetzigen Arbeit mich auf jeden Fall geärgert. Dass ich also in einem wirklichen Beruf später ganz genau und kleinkariert alles vorher wissen möchte wenn mir eine Veränderung vorgeschlagen wird, habe ich in der letzten Zeit gelernt, vor allem weil ich mehr und mehr die Hirarchien und Abläufe in einer Firma mitbekomme; Dinge die ich in der Schule wirklich nicht in dem Maße kennenlernen konnte.
Ansonsten wohne ich mittlerweile am anderen Ende des Flures in einem neuen (sehr ähnlich aufgebauten) Zimmer, weil durch einen Regensturm und einen Riss in der Wand Wasser in irgendwelche elektrischen Leitungen gelaufen ist und mein altes Zimmer als unbewohnbar deklariert wurde. Nach nächtlichem Schränke- und Klamottenschleppen habe ich mich sehr gut eingerichtet und der jetzige Duschkopf ist viel besser als der vorherige. :)
Viel mehr hat sich hier glaube ich seit meinem letzten Eintrag auch nicht verändert, höchstens vielleicht noch, dass wir beim Feueralarm mittlerweile genau so gelassen reagieren wie die Jugendlichen: Marius meinte vor zwei Tagen nach 2 Minuten Feueralarm ein wenig entnervt: "Ich geh' nachher mal runter gucken was los ist." :D

In diesem Sinne hoffe ich, in Germanien läuft alles rund und ich wünsche euch, dass es auf der anderen Seite nicht so kalt ist wie hier - gefühlt auf jeden Fall um die -10.

A bientôt,

euer Jean-Jacques ;)
P.S.: Fotos habe ich, um mit dem zitierenden Marius zu sprechen, "nur mit meiner Seele" gemacht und daher kommen hier nur ein paar Schnappschüsse, die aber auch das gewisse Etwas besitzen.


Euphorie wohnt immer noch bei uns !

Heizungen Caomida = Russisch Roulette