Marius und ich haben uns diese Woche ernsthafter über unsere Rolle und die Arbeit bei France Terre D'Asile unterhalten, und es fällt uns (oder zumindest mir) echt schwer, eine klare Richtung einzuschlagen von der ich glaube, dass sie die einzig richtige oder wenigstens „die richtigste“ ist.
Denn natürlich kommt es auch vor, dass wir selbst in unserer eigenen Enttäuschung über Undankbarkeit nach großen Bemühungen oder bei körperlichen Bedrohungen seitens der Jugendlichen, auch auf diese wütend sind – Dass die Jeunes andere Verhaltensmuster kennengelernt haben und gerade Gewaltanwendung (auch gegen sich selbst) ihnen erstens ihr Leben lang vorgelebt wurde, und zweitens offensichtlich eigentlich nur der Ausdruck von einem Gefühl riesiger Hilf- bzw. Machtlosigkeit ist, ist Abends in aller Gemütlichkeit leicht nachzuvollziehen. Wenn man aber gerade den Ausflug zum Fussballspielen oder ins Kino starten will (übliche Stressfaktoren wie tausend Veränderungen der Anwesenheits-und Mitgliederlisten, die Frage nach dem ausfallenden Mittagessen, die festzuhaltene Verteilung der Metrotickets, und die schon einstündige Verspätung sind natürlich immer vorhanden), und ein Jugendlicher redet von „casse-tete, casse-tete“ falls er kein ticket-restau bekäme, ist es mit der eigenen Ruhe auch schnell vorbei.
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| kurze Schleichwerbung, danke luki ;) |
Wann wir den Jugendlichen Grenzen aufzeigen sollten, wann wir ein Auge zudrücken oder sie in Schutz nehmen sollten (und gegenüber wem?) sind in der plötzlichen Praxis total komplexe Fragen..
Und keinesfalls leichter macht es mir da die fließende Grenze zwischen Verantwortung als Mitarbeiter und Solidarität als „Kumpel“ der Jeunes, gerade die Autorität betreffend:
Denn wenn ich mich dann mal für das so schön klingende „Grenze aufzeigen“ entscheide - Wie mache ich das genau? Vor allem wenn ich nicht viel älter und körperlich sowie zahlenmäßig klar unterlegen bin, dann noch schlechter Französisch spreche als die meisten der Flüchtlinge, und diese einen Sch.. auf meine Rolle als Responsable geben.
Ich finde es also schwer, da hundertprozentig richtige Verhaltens-Vorgaben zu finden, die ich als Zielsetzung immer anpeilen könnte. Vielleicht gibt es das in diesem „Beruf“ aber in der Art auch gar nicht, weil jede Situation sich von der anderen mindestens um einige Nuancen unterscheidet.
Was mir aber eigentlich im Moment bewusster wird, ist, dass es auf keinen Fall ein „Schwarz-weiß-Malen“ gibt. Kein „Das sind die Guten, das sind die Bösen“.
Nur müsste man glaube ich die Ruhe Buddhas besitzen, um jedem Beteiligten (ob Educ, Jeune, Polizist, Animateur, Bahnangestellten etc etc.) gegenüber wirklich immer "nachsichtig" und verständnisvoll zu handeln..
Nur müsste man glaube ich die Ruhe Buddhas besitzen, um jedem Beteiligten (ob Educ, Jeune, Polizist, Animateur, Bahnangestellten etc etc.) gegenüber wirklich immer "nachsichtig" und verständnisvoll zu handeln..
Das soll aber nicht im Geringsten heißen, dass ich mich jeden Abend total verloren und verzweifelt weinend ins Bett werfe; ich bin vielmehr froh darüber, mir solche Gedanken machen zu können und mein persönlichstes Erleben dieser Arbeit zu reflektieren (und auch dafür ist es gut, einen deutsch sprechenden Mitbewohner zu haben). Außerdem gibt es auch sehr oft die super Cliché-Momente, in denen man das gegenteilige Gefühl bekommt, bei einzelnen Jugendlichen wirklich etwas zu bewegen. So sitze ich zB. manchmal nach dem Essen noch in der Kantine und nehme an kleinen Diskussionen (sprachlich durchzogen von englisch, französisch, urdu, pashto, arabisch und deutsch) teil, die dadurch entstehen, dass ein Jugendlicher ein lesbisches Paar gesehen hat, und bestenfalls damit enden, dass Worte wie „Demokratie“ und „Toleranz“ etwas mehr Gestalt bekommen. Auch wenn das lange nicht heißt, dass Homosexuelle für jeden der Jeunes danach etwas ganz Normales sind.
..„bon, bah, bref:“ Besser als mit „spannend“ kann man mein Jahr glaube ich kaum beschreiben! :D
So etwa war letzte Woche auch freizeitlich viel los:
Laura aus dem FFD-Projekt in Montpellier ist uns besuchen gekommen und wir konnten das Privileg eines bis zur Seine getragenen Sofas auskosten. Pluspunkt für die Police, die uns gewähren ließ! (und Danke für die Musik an dieser Stelle Mademoiselle demengmateng)
Außerdem hatte mein pausenlos engagierter Mitbewohner Karten für das EM-Qualifikationsspiel Frankreich-Bosnien klar gemacht, und wir haben also im legendären Stade de France miterlebt wie Frankreich sich (mehr schlecht als recht) qualifizierte! Die Atmosphäre und der (zumindest für mich) noch spürbare „Geist von 1998“ waren ein Mega-Erlebnis :D
| Im Hintergrund kann man hier leider die eig. zu sehende Kirche Sacré-Coeur nicht sehen |
Außerdem haben meine Eltern uns einen spontanen Kurzbesuch abgestattet und wir haben in einer Creperie gespeist, die unser „budget jeune“ wohl nicht zugelassen hätte:D Ein komisches Gefühl übrigens, seinen eigenen Eltern sein Zu Hause zu zeigen;) Leider hatte ich die Nacht vorher bis auf ein Stündchen im morgendlichen RER fast nicht geschlafen und so wurde ein tolles Wochenende gleichzeitig zu einer eher kraftraubenden Erholung. (Krasses Oxymoron - Miles ich vermisse die Mathestunden:*)
Aber dafür freue ich mich heute, einmal ausgeschlafen zu haben und bin so en forme, dass es direkt weiter nach Paris geht sobald ich meine Wäsche gewaschen habe. Eigentlich ist das Vorm-Waschen-drücken nämlich meine einzige Motivation soviel zu bloggen..
Trotzdem ergebe ich mich jetzt meinem Sisyphos-Schicksal und mach mich „auf die Socken“:D
Verzeiht meinen grauenhaften Samstagmorgenhumor mes amis & à samedi prochain!
ptitzizou10









