Samstag, 15. Oktober 2011

Ich fang direkt an, Titel und Einleitung sind was für Heuchler:

Marius und ich haben uns diese Woche ernsthafter über unsere Rolle und die Arbeit bei France Terre D'Asile unterhalten, und es fällt uns (oder zumindest mir) echt schwer, eine klare Richtung einzuschlagen von der ich glaube, dass sie die einzig richtige oder wenigstens „die richtigste“ ist.

Denn natürlich kommt es auch vor, dass wir selbst in unserer eigenen Enttäuschung über Undankbarkeit nach großen Bemühungen oder bei körperlichen Bedrohungen seitens der Jugendlichen, auch auf diese wütend sind – Dass die Jeunes andere Verhaltensmuster kennengelernt haben und gerade Gewaltanwendung (auch gegen sich selbst) ihnen erstens ihr Leben lang vorgelebt wurde, und zweitens offensichtlich eigentlich nur der Ausdruck von einem Gefühl riesiger Hilf- bzw. Machtlosigkeit ist, ist Abends in aller Gemütlichkeit leicht nachzuvollziehen. Wenn man aber gerade den Ausflug zum Fussballspielen oder ins Kino starten will (übliche Stressfaktoren wie tausend Veränderungen der Anwesenheits-und Mitgliederlisten, die Frage nach dem ausfallenden Mittagessen, die festzuhaltene Verteilung der Metrotickets, und die schon einstündige Verspätung sind natürlich immer vorhanden), und ein Jugendlicher redet von „casse-tete, casse-tete“ falls er kein ticket-restau bekäme, ist es mit der eigenen Ruhe auch schnell vorbei.

kurze Schleichwerbung, danke luki ;)
Wann wir den Jugendlichen Grenzen aufzeigen sollten, wann wir ein Auge zudrücken oder sie in Schutz nehmen sollten (und gegenüber wem?) sind in der plötzlichen Praxis total komplexe Fragen..
Und keinesfalls leichter macht es mir da die fließende Grenze zwischen Verantwortung als Mitarbeiter und Solidarität als „Kumpel“ der Jeunes, gerade die Autorität betreffend:
Denn wenn ich mich dann mal für das so schön klingende „Grenze aufzeigen“ entscheide - Wie mache ich das genau? Vor allem wenn ich nicht viel älter und körperlich sowie zahlenmäßig klar unterlegen bin, dann noch schlechter Französisch spreche als die meisten der Flüchtlinge, und diese einen Sch.. auf meine Rolle als Responsable geben.
Ich finde es also schwer, da hundertprozentig richtige Verhaltens-Vorgaben zu finden, die ich als Zielsetzung immer anpeilen könnte. Vielleicht gibt es das in diesem „Beruf“ aber in der Art auch gar nicht, weil jede Situation sich von der anderen mindestens um einige Nuancen unterscheidet.
Was mir aber eigentlich im Moment bewusster wird, ist, dass es auf keinen Fall ein „Schwarz-weiß-Malen“ gibt. Kein „Das sind die Guten, das sind die Bösen“.
Nur müsste man glaube ich die Ruhe Buddhas besitzen, um jedem Beteiligten (ob Educ, Jeune, Polizist, Animateur, Bahnangestellten etc etc.) gegenüber wirklich immer "nachsichtig" und verständnisvoll zu handeln..
Das soll aber nicht im Geringsten heißen, dass ich mich jeden Abend total verloren und verzweifelt weinend ins Bett werfe; ich bin vielmehr froh darüber, mir solche Gedanken machen zu können und mein persönlichstes Erleben dieser Arbeit zu reflektieren (und auch dafür ist es gut, einen deutsch sprechenden Mitbewohner zu haben). Außerdem gibt es auch sehr oft die super Cliché-Momente, in denen man das gegenteilige Gefühl bekommt, bei einzelnen Jugendlichen wirklich etwas zu bewegen. So sitze ich zB. manchmal nach dem Essen noch in der Kantine und nehme an kleinen Diskussionen (sprachlich durchzogen von englisch, französisch, urdu, pashto, arabisch und deutsch) teil, die dadurch entstehen, dass ein Jugendlicher ein lesbisches Paar gesehen hat, und bestenfalls damit enden, dass Worte wie „Demokratie“ und „Toleranz“ etwas mehr Gestalt bekommen. Auch wenn das lange nicht heißt, dass Homosexuelle für jeden der Jeunes danach etwas ganz Normales sind.
..„bon, bah, bref:“ Besser als mit „spannend“ kann man mein Jahr glaube ich kaum beschreiben! :D

So etwa war letzte Woche auch freizeitlich viel los:
Laura aus dem FFD-Projekt in Montpellier ist uns besuchen gekommen und wir konnten das Privileg eines bis zur Seine getragenen Sofas auskosten. Pluspunkt für die Police, die uns gewähren ließ! (und Danke für die Musik an dieser Stelle Mademoiselle demengmateng)


Außerdem hatte mein pausenlos engagierter Mitbewohner Karten für das EM-Qualifikationsspiel Frankreich-Bosnien klar gemacht, und wir haben also im legendären Stade de France miterlebt wie Frankreich sich (mehr schlecht als recht) qualifizierte! Die Atmosphäre und der (zumindest für mich) noch spürbare „Geist von 1998“ waren ein Mega-Erlebnis :D



Im Hintergrund kann man hier leider die eig. zu sehende Kirche Sacré-Coeur nicht sehen


Außerdem haben meine Eltern uns einen spontanen Kurzbesuch abgestattet und wir haben in einer Creperie gespeist, die unser „budget jeune“ wohl nicht zugelassen hätte:D Ein komisches Gefühl übrigens, seinen eigenen Eltern sein Zu Hause zu zeigen;) Leider hatte ich die Nacht vorher bis auf ein Stündchen im morgendlichen RER fast nicht geschlafen und so wurde ein tolles Wochenende gleichzeitig zu einer eher kraftraubenden Erholung. (Krasses Oxymoron - Miles ich vermisse die Mathestunden:*)
Aber dafür freue ich mich heute, einmal ausgeschlafen zu haben und bin so en forme, dass es direkt weiter nach Paris geht sobald ich meine Wäsche gewaschen habe. Eigentlich ist das Vorm-Waschen-drücken nämlich meine einzige Motivation soviel zu bloggen.. 
Trotzdem ergebe ich mich jetzt meinem Sisyphos-Schicksal und mach mich „auf die Socken“:D

Verzeiht meinen grauenhaften Samstagmorgenhumor mes amis & à samedi prochain!
ptitzizou10





Samstag, 8. Oktober 2011

"Der simuliert doch der Franzose!" :D

 
Bonjour!

Diszipliniert wie immer, hier mein nächstes kleines résumé! Und ich gehe ausnahmsweise einmal chronologisch vor:

Gleich Montag kam ich zehn Minuten zu früh zur Arbeit (immer diese Deutschen..) und hatte so noch kurz Zeit für einen Espresso: Als ich dann da stand und mich wach schlürfte, sah ich bei meinem dritten Besuch dieses einen Cafés ungelogen den dritten Unfall auf der Kreuzung draußen. Ich war ja eigentlich schon immer abergläubisch, aber ich glaube in diesem Fall fehlt da einfach nur ein Vorfahrtsschild. Bei den ersten beiden Unfällen hat es gereicht beim Autowegschieben zu helfen; diese Woche sah es aber etwas schlimmer aus und zum Glück war zufällig gerade ein Krankenwagen vor Ort. Trotzdem wurde mir in dem Moment klar, wie wenig ich vom Erste-Hilfe-Kurs beim Führerscheinmachen behalten habe und so nahm ich mir vor, mein Gedächtnis demnächst etwas aufzufrischen. Mal schauen was aus dem Plan wird..
Die Woche ging direkt etwas dramatisch weiter, als ich ins Lehrerzimmer (Es ist übrigens total bizarre, eine Schule mal von der anderen Seite kennenzulernen! :D ) kam und eine wütende Kollegin mir einen Zeitungsartikel über die Abschiebungen von Flüchtlingen in Marseille zeigte, von denen auch einer ihrer ehemaligen Schüler betroffen war. Ich selbst kannte den Jungen zwar nicht aber irgendwie war die Stimmung im MJR die ersten Stunden an diesem Montagmorgen so ziemlich im Keller.. Ich für meinen Teil gewann jedoch gegen Mittag ein Kickermatch 10 zu 2 und war spätestens da wieder voll en forme ;)

Dienstag habe ich viel Unterricht gegeben und in einem lichten Moment die Idee gehabt, das Melden in den Klassen einzuführen, was den Jugendlichen bis dato noch überhaupt nicht bekannt war, den Unterricht (zumindest für mich) aber ungeheuer erleichtert :D Gegen Feierabend (ein schönes Wort, für das es in Frankreich glaube ich gar kein wirkliches Äquivalent gibt) kam einer der Jeunes zu mir und erklärte mir wie gern er in Frankreich leben und reden würde, weil man hier gar nicht nachdenken müsse, bevor man etwas sagt. Diese Umschreibung für Meinungsfreiheit kannte ich bisher nur aus dem Kabarett und irgendwie konnte ich mir zum ersten Mal bildhaft vorstellen, wie es wäre, in einem Land zu leben, in dem man wirklich jedes Mal ernsthaft darüber nachdenken müsste, was man wann, wie und wo sagt. Denn statt dabei der Gefahr von schiefen Blicken und schrägen Kommentaren ausgesetzt zu sein, würden Konsequenzen wie Gefängnis auf dem Programm stehen.. Es wäre auf jeden Fall stiller um uns.

Und a propos Kabarett: Marius hat einen super Coup gelandet und mich und die Jeunes Freitagabend in eine Vorstellung geführt, die ein Deutscher und ein Franzose zusammen aufführten: Es wurden (teilweise auch auf Deutsch) mit einem super Humor die „relations franco-allemandes“ dargestellt und analysiert :D Angefangen bei dem Halbfinale der Fussball-WM 1982, über Frauengeschichten bis zu Mitterand und Kohl war thematisch alles dabei und selbst wenn man sich manchmal historisch nicht so ganz auskannte, hatte man immer was zu lachen - oder wenigstens zu schmunzeln ;)


 

Aber eigentlich müsste ich ja noch beim Mittwoch sein, von wegen chronologisch und so. Also: Mittwoch habe ich total verpennt und kam gut 60 min zu spät zur Arbeit. Damit war der Montag mehr als wieder ausgeglichen, und als ich meinem Ansprechpartner im MJR per SMS Bescheid gab, dass ich heut eine Stunde zu spät sein würde, kam ganz trocken zurück: „Kein Problem ich auch.“…Bon, nachmittags war ich mit den Jeunes im Musée d’Orsay - Ein super Ausflug, vor allem weil es zugegebenermaßen nicht ganz uneigennützig war, denn ich wollte unbedingt die Bilder der Impressionisten sehen. Dass es bei Museumsbesuchen mit Flüchtlingen da so eine Kleinigkeit gibt, an die zwei deutsche Freiwillige vorher nicht unbedingt denken, soll unseren Nachfolgern eine Warnung sein :D : Die Jeunes haben natürlich keine Ahnung wie viel Geld diese bunten Bilder wert sind. Man tut also gut daran, ihnen vorher zu erklären, dass man zB. nicht mit den Fingern auf den Werken herum wischen darf, weil man das ein oder andere Detail nicht mag…Ich war am Ende relativ K.O. und die von mir gesuchte Etage war aufgrund von Travaux leider nicht zugänglich. Das schreit nach einem zweiten Besuch!



Das Highlight am Donnerstag war ein tête-à-tête mit einem Lehrer der mir relativ schonend beizubringen versuchte, dass ich doch bitte nicht mehr singen oder pfeifen solle, denn er wäre Musiker. Wir ihr seht, bin ich also noch ganz der alte:D

Heute repose ich mich also erstmal nach einer wie immer schönen aber anstrengenden Woche (Ich frage mich ob sich das mit der Routine irgendwann nochmal verändert?!) und freu mich auf einen Soiree bei Freunden – Hier möchte ich mich einmal bei Taizé bedanken und die Bonni-Fahrt mit Herrn Voget empfehlen! Denn von den Bekanntschaften vieler echter Franzosen profitier ich nicht nur jetzt in Paris. Aber gerade hier haben Marius und ich nun das Glück, oft (in supergeile Häuser) zum Feiern eingeladen zu werden. Gut, mehr fällt mir grad nicht ein und ich bin heut trotz allen Ausruhens etwas in Eile, deshalb mach ich hier mal Schluss!

Also genießt den plötzlich hereingebrochenen Winter auch wenn ihr wie ich eher so die südlichen Typen seid;) Ciao!

Janis

PS:


Verzeiht Mes amis, ich weiß ich nerve bestimmt einige damit, aber ich muss im Moment einfach mal ein bisschen das verbreiten, womit ich mich grad andauernd beschäftige.. Ich hoffe ich werde Ende des Jahres nicht unüberlegt irgendwelche politische Richtungen einschlagen und äh.. relativ objektiv bleiben. - aber wer weiß schon was das nun wieder heißt ? :D

Samstag, 1. Oktober 2011

1/12 des Jahres rum!

„Hallo zusammen“:D Wo anfangen?

Alors..Die letzte Sortie (mit gut 25 Jugendlichen zum Tour Eiffel) war ein voller Erfolg, die Sonne war dabei und alle waren gut drauf! Außerdem wurde ich netterweise von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin unterstützt, weil die Activités mit all ihrer Planung und Bürokratie im Hintergrund oft dann doch stressiger sind als sie scheinen. Insgesamt war es aber ein super Nachmittag der von vielen Fotos und noch mehr deutschen Touristen geprägt war. Natürlich haben wir im Gegensatz zu denen nicht den Aufzug genommen, sondern sind zu Fuß bis zur zweiten Etage hoch – Wir sind ja eher so die Harten ;)

Ansonsten verlief die Woche verhältnismäßig ruhig: Donnerstag hat ein Creperie-Mann von „der anderen Seite“ mich so nett bedient, dass man durchaus von Flirtversuchen sprechen könnte; da er aber alle anderen männlichen Kunden genauso liebenswürdig empfing, fühlte ich mich relativ sicher. Marius meint, das alles sei auf meine neue Frisur zurückzuführen. Außerdem wurden mir an einem Tag von drei verschiedenen Leuten Komplimente wegen eines meiner T-shirts gemacht, das ich persönlich eher als mittelmäßig einstufe (Unter den dreien waren aber auch zwei Frauen, was der Sache insgesamt relativ viel Glaubwürdigkeit verleiht). Warum Paris die Stadt der Mode sein soll, verstehe ich also immer noch nicht...Oder ich verstehe noch viel weniger von Klamotten als ich bis jetzt dachte :) possible. Naja wie dem auch sei, die Hauptattraktion im MJR ist im Moment sowieso eher die neue ehrenamtliche Mathelehrerin, die selbst diejenigen Jeunes, die sonst die Mathe-AG meiden, dazu verleitet sich 2 einhalb Stunden mit Zahlen auseinander zu setzen. Selber Schuld.
Das Thema „Copine“ ist aber generell sehr gefragt und ich werde (halb als Kumpel, halb als Lehrer) sehr oft gefragt wie das mit Küssen, Freundin haben und Heiraten denn bei Christen oder in Deutschland gehandhabt würde..Meine größte Herausforderung diesbezüglich war der Versuch, auf Französisch zu erklären, dass zwei Muslime mit unterschiedlichen religiösen Auffassungen trotzdem gleichwertige Muslime sein können – Jeder in „seiner Welt“. Auf einen gemeinsamen Nenner kamen wir letztendlich erst durch die Feststellung, dass alle diese Welten und Ideologien eine unausweichliche Gemeinsamkeit haben: Keine hat Krieg und Gewalt zum Ziel. „La Guerre c'est un problème dans tous les mondes différents!“. Das wissen die Jeunes aufgrund ihrer Vergangenheit ja viel besser als ich. Trotzdem kommt es natürlich aufgrund der großen Anzahl von Jugendlichen und großen kulturellen Unterschieden manchmal zu kleineren Schlägereien, die dann eine Reunion zum Thema „Toleranz und Respekt“ nach sich ziehen. Gerade in solchen Momenten erlebe ich vor allem die sonst eher stillen Mitarbeiter als super kompetent und einfühlsam und ich bin echt froh, mit so einer guten Truppe zusammen zu arbeiten. Hoffentlich kann ich mir im Verlauf des Jahres noch viel abschauen;) Gleichzeitig weiß ich, wie wenig Geld in Projekte wie dieses, wie viel Geld aber zB in Waffengeschäfte gesteckt wird, und vor allem weil ich betroffene Jugendliche langsam besser kennen lerne und ins Herz schließe, macht mich das von Zeit zu Zeit wütend. Manchmal ist es dann echt schwer sich zu sagen „Alles Gute fängt im Kleinen an und bewirkt doch etwas“. Aber bevor man wirklich zu weinen anfangen kann, fällt im gesamten Haus dann der Strom aus weil irgendjemand beim Druckerpatrone wechseln falsche Anleitungen in der Hand hatte und schon ist man wieder ganz bei der Sache :D..
 
salle de classe
 
Verbes du premier groupe! :D


Bon, jetzt steht erstmal das Weekend vor der Tür und Marius und ich haben heute schon einen fetten Hausputz hingelegt, was mir komischerweise relativ viel Spaß gemacht hat und auch meinem Zimmer ganz gut tat. Natürlich ist weniger der bevorstehende Kurzbesuch von Marius Eltern der Grund für unseren Eifer, als vielmehr unser ausgeprägtes Verantwortungs- und Sauberkeitsbewusstsein (Neologismus?:D). Danach saßen wir wie ein altes Ehepaar in der Sonne auf unserer Feuertreppe zwischen Bahnhof und Flughafen und genossen die Aussicht auf das Häusermeer der Pariser Vororte. Aber mein tüchtiger Mitbewohner hatte eine Blume gekauft und es war romantischer als man annehmen könnte! Richtiges Brot habe ich letzte Woche übrigens auch entdeckt! Und es war gar nicht mal teuer... Und heute Abend werde ich hoffentlich fit genug sein, Ligue 1 zu gucken und danach Paris unsicher zu machen.


Aber gut, die Infos lassen an Qualität langsam nach; ich denke hier ist ein guter Zeitpunkt, Schluss zu machen;) Also Liebe Grüße aus Frankreich an alle die das hier lesen und bis mehr oder weniger bald!

Janis

P.S.:..mein erster Schuhschrank :( ich werde zur Frau..


Samstag, 24. September 2011

cest quoi mes cheveux!

So.. wieder eine Woche rum, wieder ein wenig zu erzählen!
Ich bin mittlerweile wirklich regelmäßig Vertretungslehrer für verschiedene Klassen und unterrichte vorwiegend Kunst und Informatik (Word, Umgang mit dem Internet), immer öfter aber auch FLE (Francais langue etrangere) in zwei verschiedenen Einrichtungen von France Terre D'Asile. Daher wurde meine Tätigkeit als Animateur etwas zurückgefahren, was ich aber auch aktiv mitentschieden habe.


Trotzdem plane ich nächste Woche die ersten sorties mit den Jugendlichen (zB. Besuch des Tour Eiffel, Fahrradtour etc.) und freue mich über die Abwechslung meine Arbeit betreffend. Diese entsteht allerdings oft auch sehr spontan: Dienstag bekam ich die Anweisung vom Chef mit einem Camion vom CAOMIDA verschiedene Regale und Schränke quer durch Paris von einem Foyer zum nächsten zu transportieren. Ich fuhr also morgens anstatt mit dem RER, mit dem Van zur Arbeit - was deutlich langsamer und nervtötender ist, weil die gesamte Périphérique morgens natürlich mit Autos verstopft ist.
Beim Abbiegen, Ein- und Ausladen mitten auf den Boulevards und vor allem in den Kreisverkehren hatte ich anfangs das Gefühl mein Führerschein aus Hilden habe ungefähr genauso viel mit der aktuellen Situation zu tun wie mein Seepferdchenabzeichen, aber ich kam ohne Unfall durch den Tag. Einer meiner französischen Mitarbeiter begleitete mich auf der letzten Strecke weil unser Navi versagte, merkte allerdings erst unterwegs dass er ja aus Toulouse käme und den Weg auch nicht kenne. Da er aber ein super Kerl und einer meiner wenigen männlichen Kollegen ist, habe ich beschlossen nicht zu lachen. :)



Feierabend! ;) (Der Roller gehört leider nicht mir)

Donnerstags gibt es einen festen Termin im Centre Pompidou, wo die jeunes kostenlos mit speziellen Computerprogrammen arbeiten und so individuell ihr Französisch verbessern können. Auch dorthin begleite ich die jeweiligen Klassen, genau wie zu Einschulungstests und in Krankenhäuser. Man könnte sagen, ich bin ein bisschen das Mädchen für alles, und es wäre ein Kompliment. Mit der Polizei von Paris habe ich en revanche diese Woche wieder nur schlechte Erfahrungen gemacht, aber so lange bin ich ja auch noch nicht hier. Ah, und mit dem Friseur hatten Marius und ich ebenfalls jeweils kleine Meinungsverschiedenheiten: Wir kamen beide mit (Fast-)Glatze zurück - Er vom Schwulenfriseur in Marais und ich vom Asifriseur in Boissy..Und das soll die Modehauptstadt sein? Gut, dass uns hier keine Sau kennt, es sieht horrible aus:D

Gerade wurde ich beim Post verfassen vom Feueralarm des Hauses gestört, was Marius und ich natürlich ernst nahmen und woraufhin wir über die Feuertreppe flohen - um unten zu hören "Kommt Fussball gucken, irgendjemand hat wieder geraucht, Moussa (Educ) stellt den Alarm gleich ab"..:D

Was gibt's noch zu sagen?.. Unsere Konten sind finalement eingerichtet und ein AuPairTreffen haben wir auch schon miterlebt.. Außerdem hoffe ich, ab jetzt jeden Samstag genau wie heute Fussball spielen zu gehen um wenigstens ein kleines bisschen Sport zu treiben...Auch ist es nach wie vor nicht einfach für mich meine Kraft einzuteilen, was auch damit zusammen hängt, dass Marius oft super Aktionen plant, bei denen ich nach getaner Arbeit trotzdem noch gerne dabei bin :) schleim schleim
Jetzt wird der leckere (diesmal richtige) Osaft getestet den mein liebster Mitbewohner gekauft hat :D und gemütlich PSG-Montpellier geguckt! Vive le Wohnzimmer ey:D

Liebe Grüße et a bientot,

Jimmy :D

Samstag, 17. September 2011

Menschen mit Locken

Salut!

Witzige Woche hinter mir; ich war Lehrer in Dessins und Französisch und es war saugeil!:D
Ein paar Jungs aus Bangladesh die letzte Woche einen Einschulungstest absolvieren konnten
zu dem ich sie begleitet habe, waren vorher so aufgeregt, dass ich sie mit einer Entspannungstechnik
aus dem Film BadBoys zu beruhigen versuchte, was glaube ich sogar geklappt hat ;)
Das MJR (Maison du Jeune Réfugié, meine Arbeitsstelle) bekommt zur Zeit immer weniger Beistand durch
den Staat, dafür aber immer mehr Unterstützung durch ehrenamtliche Mitarbeiter jeden Alters, was mich gefreut aber ehrlich gesagt auch überrascht hat. Aber tant mieux wenn es viele solcher hilfsbereiten Menschen gibt, die vor allem keine Bedenken bei den Worten "Afghanen und Pakistani" haben - Leider ist die MetroSécurité da etwas anders drauf. Aber auch die versucht ja auch nur ihren Job gut zu machen.. Hoffe ich zumindest :)



Gestern (Freitag) stand der Besuch eines kleinen Marktes an der Seine auf Marius' und meinem spontanen Programm. Danach war es super, einfach ohne Zeitdruck am Ufer rumzusitzen und sich zu unterhalten; Yorick kam dazu um uns abzufüllen und dann hatten wir die geniale Idee, im überfüllten und lebendigen St.Germain bei einem mittelmäßigem Italiener (der nur spanisch und französisch konnte, dafür aber PSG-Fan war) zu Abend zu essen. Das mit dem Kochen hat sich mittlerweile noch nicht so ganz durchgesetzt, aber wir arbeiten dran.

Die erste volle Arbeitswoche verbrachten wir außerdem vor allem mit Tee trinken, da unsere netten Körper uns eine größtenteils selbstverschuldete Überarbeitung freundlicherweise mit Krankheitserscheinungen dankten. :) Marius hatte es doppelt schwer, da er mein Räuspern nicht als Räuspern sondern als Sterbegeräusch eines 180-Jährigen identifizierte. Der Prozess der Heilung wurde nur geringfügig durch eine einfühlsame Angestellte des CAOMIDA behindert, die uns mit ihrer zuvorkommenden Art (@Lukas+Christoph: wir wissen jetzt was ihr meint:)) drei Mal zu französischen Banken+Metrostationen in Boissy und anderen Orten schickte, damit wir vor Schildern wie "Kurze Pause - bin sofort zurück" 1 Stunde auf Mitarbeiter warten konnten, die uns dann  nicht viel mehr zu sagen hatten, als das was wir schon wussten - Eine harte Zerreißprobe für Marius' Geduldsfaden! Fetten Respekt liebster Mitbewohner :D

Zudem entwickelt der Herr sich mehr und mehr zur klassischen Hausfrau (Morgens Spülen wenn der Mann schon zur Arbeit geht, nachmittags die nötigen Einkäufe tätigen) und kommentierte meine diesbezügliche Äußerung einzig mit dem Satz "Man sagt ja auch, Menschen mit Locken seien die besseren Menschen". Ob ich jemals wieder eine so gute WG bewohnen werde, steht in den Sternen:D
Wie auch immer, wir sind genesen und es stehen ein Fussballturnier und ein Theaterbesuch vor der Tür !

Zwischendurch denke ich auch ab und zu an Deutschland, ob man's glaubt oder nicht ;)

A+ mes amis 

Sonntag, 11. September 2011

Une semaine après :

Bonsoir a toutes et a tous!

Nachdem ich nun gefühlt einen Monat, in Wirklichkeit aber erst eine Woche in Paris lebe, konnte ich auch "endlich" mit der Arbeit anfangen - Obwohl ich die ersten freien Tage sehr genossen habe und auch jetzt noch mindestens ein-, oft zweimal am Tag ins Centre fahre, wollte ich unbedingt zum rentrée ebenfalls damit anfangen, einen durch Arbeitszeiten etwas geregelteren Alltag zu haben. Vielleicht gibt mit das erst das Gefühl, kein Tourist zu sein (Es stimmt wirklich, dass es irgendwie ein bisschen stört, in der Metro auf einmal Schwaben neben sich zu hören, wenn man eigentlich gerade die einmalige Atmosphäre von Paris auf sich wirken lassen will), vielleicht habe ich aber auch einfach gespürt, dass die Arbeit extrem spannend werden würde! :D
Ich habe also anders als meine Vorgänge beschlossen, direkt beim MJR anzufangen (der Anlaufstelle+Ecole für Flüchtlinge, die noch keine Asylanträge gestellt haben), anstatt erst einen Monat im CAOMIDA (unser zu Hause, in dem diejenigen Jugendlichen wohnen, die schon Asyl beantragen konnten und eine relativ sichere Zukunft in Frankreich vor sich haben) zusammen mit Marius für die Animation zu sorgen. Mittwoch fuhr ich daher rauf nach Montmartre zu meiner neuen Arbeitsstelle und lernte meine Chefs+Kollegen kennen, die alle supernett, relativ jung und sehr erfreut sind, dass ich so schnell vorbeischauen konnte. Donnerstag und Freitag habe ich dann direkt damit angefangen, mich umzuschauen und einzuarbeiten.. Ich werde allerdings noch ein, zwei Wochen brauchen, bis ich das Meiste durchblicke. Meine Aufgaben bestehen hauptsächlich darin, "AGs" für die Jeunes zu organisieren, sie zu Ämtern+Ärzten zu begleiten und Unterricht zu übernehmen, falls es zu Lehrerausfällen kommt (was in Frankreich aufgrund des Überstundenausgleichs "RTT" nicht unüblich ist). Super Sache, da ich ja eventuell auf Lehramt studieren möchte und so schonmal ein bisschen "vorkosten" kann - Problematischer is da die Sache mit dem Französisch: Mein Niveau die alltäglichen Unterhaltungen berteffend, entspricht ungefähr dem der Flüchtlinge, was inhaltlich noch keine sehr spannenden Gespräche erlaubt. Andererseits sage ich mir immer wieder, dass es interessant ist zu erleben, wieviel man auch ohne Sprache vermitteln und verstehen kann..und zumindest dieses Problem wird so oder so während des Jahres verschwinden je crois:)
Außerdem gibt es genug andere Dinge die mir das Gefühl geben, mit dem FSJ genau das Richtige gewählt zu haben - Obwohl ich natürlich vorbereitet worden bin und wusste, dass mich andere Kulturen, mir fremde Weltbilder und Lebensläufe erwarten würden, erlebe ich teilweise auf schockierende und interessante Weise zugleich Situationen in denen ich mir meiner eigenen Subjektivität (und Privilegien) erst wirklich bewusst werde.. Plus eine Flasche Wein und es kommen oft hochphilosophische Fragen über Gott und die Welt zustande, die ich (wenn nicht gerade mit Marius) dann mit mir selbst, voire meinem Tagebuch ausdiskutiere.
Nach einer Woche merke ich also auf jeden Fall, dass ich in diesem Jahr noch unglaublich viel lernen kann und will. Und was ich jetzt schon weiß ist, dass ich jeden der beim Militär anfangen will, sehr belästigen werde:D

En plus profitier ich natürlich enorm von der Stadt und es ist wirklich ein Traum für mich hier zu leben. Oft fahr ich abends nochmal los, um in Bars Fussball zu gucken oder einfach an Orten die mir gefallen Kaffee zu trinken und zu lesen, da ich als Besitzer des "passe navigo" keine Gedanken an die Fahrtkosten verschwenden muss. Samstag haben Marius und ich die (zumindest von mir) schon seit geraumer Zeit geplante Shoppingtour wirklich gewagt und waren danach gut k.o. aber zufrieden. Abends habe ich dann zum ersten Mal seit langem einige Freunde aus Taizé wiedergesehen und Marius und ich haben dadurch auch Kontakt zu waschechten Parisern in unserem Alter, was uns sicherlich noch des öfteren helfen+freuen wird :) Grad gings noch kurz ab in die Stadt um den dritten volontaire allemand unserer Organisation zu treffen und PSG-Brest schauen:)

Viel mehr Blog-Stoff fällt mir gerade nicht ein, ausser vielleicht, dass Marius jedes Mal wenn unser Internet ausfällt, den aufgestauten Frust des Tages herauslässt und die Franzosen bei all ihrer Liebenswürdigkeit dabei nicht immer gut wegkommen - Beim Thema Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Verhalten im Straßenverkehr oder Arbeitsphilosophie in Handyläden handelt es sich nicht immer nur Clichés, obwohl ich für meinen Teil sehr froh bin, Deutschland und seinen Eigenheiten da für ein Jahr zu entkommen ;)

Alors, Liebe Grüße an alle und ein fettes Vive l'Internet an dieser Stelle, das mir erlaubt Kontakt zu halten und zu bloggen!

A tres vite!

JAVIER PASTORE!!


Sartre II


SFR + Marius = <3

Freitag, 2. September 2011

On y est!

Wir sind da!:D



Nach knapp 4 Stunden im Thalys standen Marius und ich (+ 2 Gitarren und 3 Koffer) am Bahnsteig des Gare du Nord und nach den 50 Metern zum Taxistand bei ca 30°C hätten wir jeden Preis gezahlt den uns die Fahrerin genannt hätte, damit wir nicht noch in die Metro steigen mussten.
Letztendlich war es aber gar nicht so teuer und wir wurden von der charmanten Dame auch noch für Norweger gehalten, was zumindest Marius als Kompliment auffasste. Die Pariser Fahrkünste waren durch die Anwesenheit einer Frau am Steuer halbwegs erklärt und wir kamen trotzdem heil in Boissy Saint-Léger an, wo wir von den Jugendlichen sowie von den MitarbeiterInnen sofort superfreundlich empfangen wurden. Der Chef höchstpersönlich bestand darauf, Marius Koffer ins oberste Stockwerk zu tragen, was er spätestens nach 2 Stufen bereut haben musste aber ganz Gentleman bis zum Ende durchzog. Mit der Völkerverständigung begannen wir also sofort, und nachdem wir unsere Zimmer eingerichtet und kurz lang geduscht hatten, fanden wir sogar noch Zeit um die nötigsten Dinge (Kuchen etc.) im nahegelegenen Supermarkt zu kaufen. Das mit der Gemeinschaftskasse überleg ich mir aber nochmal denn ohne mich hätten wir 100 statt 20 Euro ausgegeben, weil Marius sich auf Anhieb in die Regale verliebt hat.




Ausblick von der Feuertreppe/dem Balkon :)


Mein Zimmer

Mein Zimmer 2.0

 



La region allemande +rosa Türen 8)
 
Beim Abendessen mit den Jugendlichen+Mitarbeitern haben wir direkt Pläne für morgen gemacht (bestehend aus einem erstem Parisbesuch, Fussball  und einer kleinen Feier) . Unser Französisch war gefühlt ziemlich grottig und wir stehen immer noch jedes Mal nebeneinander an unseren Zimmertüren und probieren 5 Minuten lang alle Schlüssel durch, aber hey es ist der erste Tag! Und das Beste war, dass ich kaum Zeit hatte an die Abschiede gestern zu denken..


Jetzt sitzen wir im Wohnzimmer, chillen und kämpfen mit dem TV (France-Albanie). Gerade höre ich wie Marius Dad Skype beschimpft und frage mich ob sich meine Eltern wohl bald ebenfalls damit herumschlagen werden.
@Mama: Äpfel haben wir übrigens auch gekauft! :)

Bilanz nach den ersten paar Stunden als Parisien ist also durchweg positiv und ich freu mich auf die nächste Woche in der wir wohl noch frei haben werden und uns um Konten, Handykarten u.ä. kümmern werden.
Lasst uns alle hoffen, dass ich jede Woche so motiviert blogge und lest euch auch Marius Blog durch damit ihr im Vergleich die ganze Wahrheit erfahrt!

In diesem Sinne, verzeiht mir Grammatikfehler und Sonstiges (bin relativ K.O.) et a très bientot !

Jean :)